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Pausenprofi

8 Gründe, warum wir unser Herz nicht überhören sollten

In Spannung und Entspannung liegt die Stärke des Herzens. Das Herz pumpt in einem durchschnittlichen Leben 200.000 Tonnen Blut. Das funktioniert jedoch nur, wenn es sich regelmäßig nach der Spannung wieder entspannt. Die geniale Pumpe schafft durchschnittlich 4 Milliarden Herzschläge, das sind ca. 100.000 mal pro Tag. Das Herz pumpt so ca. 15 Schwimmbäder voll. Der Blutdruck kann 10 Meter hoch spritzen. Unsere Lebenspumpe ist der beste Lehrmeister, wie man Höchstleistung erbringt. Doch der Weg zur Höchstleistung führt immer über Entspannung.

#1 GOTT WAR AUCH EIN PAUSENPROFI.

Im Schöpfungsbericht lesen wir (1. Mose 2), dass er am siebten Tag das „Werk“ mit Ausruhen vollendete. „Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk erschaffen hatte.“ Auf Ruhen, Ausruhen, Entspannen, Pausieren, Relaxen, Innehalten, Sein Lassen, Hängen Lassen liegt Gottes Segen – also das Gute, das Beste von Gott! Gesegnete Langeweile, geheiligtes Nichtstun.

#2 WANDERER, AUTOFAHRER UND SÄNGER LEBEN VON GEZIELTEN PAUSEN.

Es ist selbstverständlich für jeden kulinarischen Genießer: zwischen Apéro und Grillade ein Päuschen. Nach dem feinen Essen ein Päuschen. Nach dem Dessert ein Absackerl. Fresssäcke wissen nichts von dem. Sie sind Analphabeten bezüglich des Pausierens. Für Politiker, Börsianer und CEOs scheinen diese Grundsätze nicht zu gelten. Dranbleiben, bis der Deal perfekt ist, ist ihr Motto. Nur scheint mir, kommen wenige „perfekte Deals“ dabei heraus. Auch nicht, wenn die Ministerrunde mit den Spitzenberatern drei Tage und Nächte Resultate erzwingen. Ein Nickerchen braucht jede(r). Ohne kommt wenig Wirkungsstarkes heraus.

#3 KRAMPFER UND WORKAHOLICS FINDEN PAUSEN UNNÜTZ.

Die Zeit drängt. Pausen sind etwas für Schmalbrüstige, für Faule und andere Weichlinge. Durchziehen und Durchhalten ist ihre Königsdisziplin. „Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen“ ist ihr Motto. Das Magazin Fokus nannte es 1997 etwas anders: „Zuerst die Arbeit, dann kein Vergnügen.“ Wer nämlich keine Pause macht, verliert die Fähigkeit, sich zu vergnügen und auszuruhen – und arbeitet darum einfach weiter. Sich einfach mal gehen lassen, gibt es nicht. Sie haben es verlernt oder sich abgewöhnt, was sie als Kinder noch konnten.

#4 WER PAUSEN MACHT, HAT MEHR VOM LEBEN.

Pausenzeit ist Lebenszeit. Ob bei der Arbeit oder in der Freizeit. Brachzeiten für den Boden sind in der Landwirtschaft die Regenerationszeiten, die die Natur braucht, um später wieder Frucht zu bringen. Dies – so meinen wir – können wir uns aus Leistungs- und Renditegründen fast nicht mehr leisten. Deshalb übergehen viele diesen natürlichen Kreislauf und erpressen stattdessen die Schöpfung durch Überdüngung.

#5 JA, ES GIBT EINEN NUTZEN UNGENUTZTER ZEIT.

Wer das nicht begreifen will, ist ein Getriebener. Da ändert sich nichts dran, ob ich Christ oder Atheist bin, Pastor oder Brotverkäufer, Handwerker oder Intellektueller. Der gute Zweck, die gnadenschwülstigste Rede oder „Ich bin halt ein leidenschaftlicher Typ“ ändern nichts daran. Getriebe ist getrieben. Dazu kommt, dass der Möglichkeits-, Bedürfnis- und Temporausch das Ganze nicht vereinfacht. Auch ist das Smartphone manchmal gar nicht so smart für unsere Pausenfähigkeit und für das Herunterfahren.

#6 DIE KLUGHEIT DES „RESSOURCENMODELLS NATUR” NUTZEN.

Natürlicher werden, macht wirkungsstärker, produktiver und kreativer. Das Ressourcen-Modell Natur baut auf einen hochintelligenten Ausgleich zwischen schöpfen und schöpferisch sein, empfangen und geben, Spannung und Entspannung, ruhen und arbeiten. Pausen sind der Schlüssel für gesunde Produktivität.

#7 PAUSENLOSE VERLIEREN DEN ZUGANG ZU SICH SELBST.

Pausenlose überhören nach und nach die inneren Impulse und die körperlichen Signale im Alltag. Dadurch verlieren sie den Zugang zu sich selbst und liefern sich den Ansprüchen, Zielen und Erwartungen des Umfelds aus. Pausen stärken das „Bei-sich-Sein“ und bewirken, dass wir nicht Spielball von Umfeld und Situation werden. Wir müssen uns von Aufgaben lösen können, damit Seele und Geist das Erlebte zusammenfassen, verarbeiten und sortieren können. Wer genug und richtig Pausen macht, schafft sich Kraft und die nötige Distanz, um fokussiert weiterzumachen. Pausenlose verzetteln sich viel mehr und müssen durch mehr Anstrengung vieles wettmachen.

#8 ES IST ALSO GUT, WENN WIR …

1. Signale beachten, wie Abschweifen, nachlassende Konzentration, Tippfehler, keine Lust, aufzustehen oder aufs WC zu gehen, übermäßiges Checken der Mailbox oder von Facebook, Gedankensackgasse, Kreativitätseinbruch, viele Worte – wenige Entscheidungen, Verzettelung usw.
2. Regelmäßige Pausen am Tag, in der Woche, im Monat und im Jahr installieren.
3. Pausen neu bewerten: Ausklinken, Ausruhen, Schöpfen, Regenerieren, Abschalten, Entspannen sind die Quelle für Leidenschaft, Lebens- und Schaffenslust, für Produktivität und Leistungsfähigkeit. Brauchen Sie ein neues Motto? Wie wär‘s mit „Schöpfen statt erschöpfen“?

Und jetzt reicht es: genug von Pausen geschrieben – ich lege nun die Beine hoch!

Georges Morand (60) ist Coach, Trainer, Speaker, Ehemann, Großvater und Autor von „Mach Dünger aus deinem Mist“. www.morandcoaching.ch

Weiterkommen und Entspannen:
www.manana-kompetenz.de

Einfluss nehmen und gestalten

Wie kommen Männer im Leben voran? Indem sie die Kunst der Selbstführung einüben. Ein Gespräch mit Thomas Härry, dem Autor des Buches „Die Kunst sich selbst zu führen“.

Pastor Bill Hybels hat schon vor Jahren gesagt, die Führungsaufgabe bestehe zu rund 50% aus Selbstführung. Würden Sie beipflichten?

Es scheint mir noch fast zu tief angesetzt. Eigentlich hat fast jede Situation, in der wir Verantwortung tragen, mit Aspek-ten von Selbstführung zu tun.

Warum ist Selbstführung derart wichtig?

Weil ich immer die erste Person bin, die agiert. Ich agiere und reagiere in meinem Kontext – in der Familie oder im Job. Dabei bin ich fortlaufend daran, Entscheidungen zu treffen – oft auch unbewusst.

Warum tun sich Menschen mit Selbstführung so schwer?

Eine erstaunlich große Zahl von Menschen ist nicht darin geübt, sich selbst zu reflektieren. Sie sind es nicht gewohnt, hinzuschauen und eigene Anteile zu erkennen. Sie verpassen es, aktiv zu gestalten und lassen sich stattdessen einfach treiben, ohne zu hinterfragen.

Was ist Ihr Verständnis von Selbstführung?

Es geht um das Zusammenspiel von Verantwortung und Freiheit. Ich übernehme die Verantwortung für alles, was ich mache. Für mein Denken, Fühlen, Reden. Und ich lebe die mir geschenkte Freiheit: Ich nutze meinen Gestaltungsrahmen. Viele Leute sagen: „Weißt du, in meinem Umfeld geht das gar nicht.“ Es wird zum Killersatz, aber auch zur Ausrede: „Ich kann hier gar nicht gestalten.“

Wie haben Sie die Wichtigkeit der Selbstführung in Ihrem Leben entdeckt?

Vor allem in Konfliktsituationen, besonders in der Ge-meindearbeit. Beim Leiten von Menschen. Überall wo es verschiedene Interessen und Missverständnisse gibt. Und im Umgang mit mir selbst, mit meiner überbordenden Ten-denz, zu viel zu wollen. Hier galt und gilt es, zu lernen, mich einzuschränken. Zu lernen, am rechten Ort „Nein“ zu sagen.

Haben Sie ein aktuelles Beispiel, das Sie selbst gerade fordert?

Ein Veranstalter fordert immer mehr Leistungen für densel-ben Preis. Wie kann ich diesen Punkt ansprechen und damit den negativen Gefühlen, ausgenutzt zu werden, vorbeugen? Wenn ich mich hier nicht selbst gut führe, verlasse ich am Ende die Veranstaltung mit der „Faust in der Hosentasche“ und bemitleide mich als ausgenutztes Opfer.

Man sollte sich also nicht in der Opferrolle suhlen?

Ja. Absolut!

Von der Kanzel höre ich sonntags: Überlass die Verantwortung für dein Leben Gott. Steht Selbststeuerung nicht im Konfl ikt zu „Dein Wille geschehe“?

Aus meiner Sicht nein. Gott hat es off enbar so gewollt, dass der Mensch gestaltet, entscheidet, ordnet. Es ist ein Ausdruck davon, Gott nicht ernstzunehmen, wenn wir diese Verant-wortung von uns weisen. Es ist eine fromme Form der Verweigerung, wenn wir die Verantwortung Gott abschieben.

Sie ermutigen dazu, „aus Gottes Ressourcen zu schöpfen“. Wie tut man das?

Zum einen, indem ich überall den Raum einnehme, den Gott mir sowieso schon gegeben hat. Er erlaubt mir, in Situation nach bestem Wissen und Gewissen Einfl uss zu nehmen für das Gute. Zum anderen ganz konkret überall dort, wo ich schwierige Entscheide zu treffen habe. Wo es mich etwas kostet, kann ich Gott bitten, mir den Mut zu schenken, mich nicht zu verbiegen.

Sehr spannend fi nde ich den Ansatz, dass wir manchmal nur zwischen „Falsch“ und „Falsch“ auswählen können. Was meinen Sie damit?

Das beste Beispiel dafür ist Dietrich Bonhoeff er, der sich entscheiden musste, sich mit Gewalt gegen das verheeren-de Hitlerregime zu stemmen und sich dadurch schuldig zu machen. Oder um seiner Sicherheit willen nichts zu unternehmen, während viele weitere Menschen ihr Leben lassen. Beide Optionen sind letztlich falsch.

Und wie kann ich damit umgehen, wenn scheinbar jede Option falsch ist?

Einige Kriterien können helfen: Welchen Weg erachte ich intuitiv als den richtigen? Darauf alleine würde ich mich  jedoch nicht zu sehr stützen. Wichtig sind auch gute Ratgeber, weise Mitmenschen, die mich unterstützen. Die Bibel und ihre Grundwerte können zudem als Grundlage zur Einschätzung dienen. Und dann: Mach nicht nichts! Entscheide, etwas zu tun! Du musst am Ende nicht in jedem Fall wissen, ob es richtig oder falsch ist. Überlass Gott das Urteil.

Sind nicht einige Leute auch aus Angst, dass Gott eines Tages mit uns abrechnen wird, blockiert?

Wer Angst hat, Fehler zu machen, bildet sich ein, ohne Feh-ler leben zu können. Das hat viel mit falschen Menschen- und Gottesbildern zu tun. Männer müssen manchmal aus ihrer Komfortzone geholt werden.

Sie schreiben, wir seien von Gott nicht nur begnadigt, sondern auch ermächtigt. Was heißt das praktisch?

Ich darf mir eine Meinung bilden, entscheiden und vor-wärtsgehen. Natürlich in einem gewissen Rahmen. Er-mächtigt zu sein, heißt gestalten. Der Mensch darf Einfl uss nehmen. Wie es im Schöpfungsbericht heißt: „Du sollst herrschen!“ Mach etwas, du darfst, es ist okay!

Warum sollten Männer Ihr Buch lesen?

Weil wir in einer Zeit leben, in der Männer ganz viel der Ermächtigung über Bord geworfen haben. Es gibt viele ge-schwächte Männer, die angepasst leben, die nur ihren Frei-zeit- oder Karrierebereich aktiv gestalten. In den anderen Bereichen erdulden sie bloß und schwimmen mit. Ich wün-sche mir, dass Männer mutig ihr gesamtes Leben als einen großen Garten sehen, den sie bewirtschaften können.

Herzlichen Dank für das Gespräch! 

Stefan Gerber ist Theologe im Bundes-Verlag (Schweiz), Leiter der Netzwerk-Kirche „gms – gospel movement seeland“ und freiberufl ich als Seminarleiter und Coach im Bereich Life-Balance www.motivation-training.ch tätig. Er ist verheiratet mit Brigitte Gerber-Urfer und Vater von Joy Nina (11) und Janosch Noah (8).

Gewinnspiel

Von der Kunst sich selbst zu führenUnter allen, die unter diesem Artikel ihre Erfahrung mit Selbstführung schildern, verlosen wir eins von drei Exemplaren des aktuellen Titels von Thomas Härry „Von der Kunst sich selbst zu führen„.