Beiträge

Vater und Sohn laufen zusammen neben einer grünen Hecke

Berater ist überzeugt: Mit diesen 3 Schritten bekommen Sie Ihre Gefühle in den Griff

Wer seine Emotionen beherrscht, kommt im Leben voran, sagt Eduard Friesen. Drei Schritte, wie Männer Angst und Zorn zu ihrem Vorteil nutzen können.

„Jungs weinen nicht.“
„Indianer kennen keinen Schmerz.“
„Jetzt sei doch kein Mädchen.“
Solche stereotypen Aussagen prägen ein Bild von Männern, das das Vorhandensein oder das Ausdrücken von Gefühlen ablehnt. Dies hat sich in der Neuzeit wesentlich gebessert. Dennoch: Die Tendenz, Gefühle zu verdrängen, ist für Männer trotzdem Alltag. Dabei ist aber das Verdrängen gefährlich. Denn Gefühle offenbaren unser Denken und unseren Charakter. Genauso verändern sie unser Denken und Handeln. Und wenn wir diese inneren Antreiber nicht offenlegen und reflektieren, werden wir von Gefühlen hin- und hergerissen. Wir wissen dann zum Teil gar nicht, was mit uns los ist. Wir verlieren unsere emotionale Stabilität. So kann zum Beispiel die Angst vor einer staatlichen Kontrolle zu einer radikalen Verweigerung gegenüber Corona-Maßnahmen führen. Die Angst vor einer Erkrankung kann zu einer Weigerung, in die Öffentlichkeit zu gehen, oder zur vehementen Verurteilung Andersdenkender führen. Gefühle machen etwas mit uns. Daher ist es hilfreich, diese anzuschauen und offenzulegen, um sich so stabilisieren zu können.

Gefühle zu reflektieren lohnt sich

Manchmal braucht es Zeit, um sich seiner Gefühle bewusst und klar zu werden. Das Schreiben, die Natur und Ruhe können dazu beitragen, Gefühle benennen zu können. Es lohnt sich seine Gefühle zu reflektieren und eine Umgangsweise festzulegen. Für mich gibt es drei Schritte auf dem Weg, die eigenen Gefühle besser kennenzulernen:

1. Sage „STOPP!“

Damit schenkt man sich einen Moment, um innezuhalten. Das kann man sich auch laut sagen und, wenn notwendig, dafür den Raum verlassen. Hier wäre zu fragen, was genau ich fühle, wie das Gefühl heißt und was der Auslöser für dieses Gefühl war. Hilfreich ist auch, wenn man es aufschreibt. Wichtig ist, sich nicht hinreißen zu lassen, in den Katastrophenfilm der Gefühle einzusteigen, sondern erst sachlich zu analysieren.

2. Analysiere: Ist mein Gefühl angemessen oder verzerrt?

Wer sich zu Hause ignoriert und missverstanden fühlt, wird auf Drängler im Berufsverkehr anders reagieren als jemand, der Wertschätzung erfahren hat und entspannt ist. „Ich bin wütend, weil ich gerade zu Hause keine Beachtung fand und der jetzt einen draufsetzt“, ist eine wichtige Erkenntnis.

3. Überlege: Was tue ich als Nächstes?

Die leitenden Fragen wären hier: Welche Handlung bringt mich weiter? Was ist angemessen? Wie komme ich voran?

Angst einzugestehen ist männlich

Nehmen wir zum Beispiel das Gefühl der Angst. Im ersten Schritt sagen wir „Stopp“, halten inne und benennen das Gefühl. Wir geben zu, dass wir Angst haben. Angst um unsere Beziehungen, um die berufliche Sicherheit, Angst um sich und Angehörige, um die Börse, um die Rentenabsicherung. Angst lähmt das Denken, nimmt die Freude und Hoffnung, raubt die Gelassenheit. Der Magen zieht sich zusammen. Unsicherheit macht sich breit. Oft startet auch das Kopfkino: Was ist, wenn das Worst-Case-Szenario eintritt? Hirnforscher haben herausgefunden, dass Angst die Denkleistung des Gehirns gehörig reduziert. Je größer die Panik, desto größer die Denkblockade. Kreativ sein und eigene Pläne schmieden: fast unmöglich.

Angst greift auch den Körper an und erhöht z. B. das Stresshormon Cortisol im Blut. Angst zu fühlen ist okay. Auch für uns Männer. Es wäre mutig und männ(sch)lich, sich einzugestehen, dass man Angst hat. Ergänze doch mal folgenden Satz: „Ich habe gerade voll Angst, dass … passiert.“ Was würdest du einsetzen? Ich muss mir oft einen Ruck geben, vor meiner Frau zu sagen: „Das macht mir Angst.“ Oft verniedlichen wir Männer Angst mit dem Wort „Respekt“. Indem ich die Angst klar benenne, schaffe ich es, mich im Kopf von diesem Gefühl ein paar Zentimeter zu distanzieren und die Vogelperspektive zu erlangen, um zu analysieren.

Welche Bedürfnisse sind nicht gestillt?

Der zweite Schritt ist die Analyse: Wo kommt diese Angst her? Gab es früher schon ähnliche Ängste? Sind vielleicht Bedürfnisse nicht gestillt? Mein Bedürfnis, die Übersicht und Kontrolle zu haben. Oder mein Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit. Oder mein Bedürfnis, als Mit-Versorger für meine Familie meinen „Mann“ zu stehen. Habe ich Angst davor, durch einen Jobverlust in die Bedeutungslosigkeit zu sinken? Dann niemand mehr zu sein, mich wertlos zu fühlen? Ist meine Angst realistisch, angemessen, rational? Oder ist meine Angst übertrieben und womöglich ein Worst-Case-Szenario? Haben sich solche Ängste in der Vergangenheit bewahrheitet? Angst kann uns aber auch vor Dummheiten bewahren. Angst gehört zu unserer Ausstattung, zum Prozess des Lernens aus Fehlern, nach dem Motto: „Wer sich einmal die Finger an einer Herdplatte verbrannt hat …“ Wer keine Angst hat, bei dem stimmt was nicht. Aber wenn die Angst unangemessen groß wird, wenn sie lähmt, dann führt diese Angst zu Panik und zu unreflektiertem Handeln.

Im dritten Schritt entscheide ich, was zu tun ist. Welche Elemente der Angst sind rational und bewahren mich vor Fehlern? Welche Ängste dürfen zur Seite gelegt werden? Durch das Sortieren kann ich mich von der Lähmung freimachen. Welche konkreten Schritte kann ich jetzt nach der Analyse gehen? Es wird sich immer noch nach Angst anfühlen, aber mit jedem Schritt mache ich eine Erfahrung mehr, die mir Sicherheit gibt. Auf lange Sicht führt mich das in eine neue Freiheit.

Zorn ist eine Warnleuchte

Ein anderes Beispiel wäre das Gefühl des Zorns. Im ersten Schritt sagen wir „Stopp“: Auch hier hilft es, innezuhalten und das Gefühl zu benennen: „Ich bin gerade richtig sauer, weil …“, oder: „Ich ärgere mich gerade, dass ich noch nicht mal …“ Das Benennen hilft dabei, die Distanz aufzubauen, die wir für eine kurze Analyse brauchen.

Im zweiten Schritt analysieren wir: Wo kommt dieser Zorn her? Aus psychologischer Sicht entsteht Ärger meist da, wo unsere Ziele oder Werte von außen verhindert werden. Wo uns Grenzen gesetzt werden, die wir nicht sprengen können. Zorn kann also eine Warnleuchte sein, wie im Auto. Da ist nicht die Warnleuchte das Problem, sondern das, was es anzeigt, z. B. das Öl oder ein Steuergerät. So auch bei uns. Zorn sollte nicht einfach unterdrückt werden. Vielmehr ist es wichtig, herauszufinden, was ihn getriggert hat, was er uns sagen will und was wir nach ruhiger Überlegung rational damit anfangen sollen.

Sind meine Werte verletzt?

Welches Ziel wurde gerade durchkreuzt? Wie wichtig ist mir dieses Ziel? Gibt es Alternativen? Es ist interessant zu wissen, dass Zorn auch entstehen kann, weil unser Grundbedürfnis, etwas zu tun, zu gestalten, autonom, frei und eigenwirksam zu sein, nicht erfüllt wird. Oder weil unsere Werte verletzt sind: Zum Beispiel der Zorn auf den Chef, der einen Mitarbeiter mobbt. Wenn ich also langsam erkenne, wo der Zorn herkommt, verstehe ich auch, was er als Warnleuchte anzeigt. Ist ein Bedürfnis unerfüllt, ein Wert verletzt, werden Ziele blockiert?

Danach frage ich, was er mit mir macht. Angenommen: Ich hege diesen Zorn, schlucke ihn runter, nähre ihn, tue aber nichts. Was passiert dann mit mir? Mediziner sagen, dass dies körperliche Schäden herbeiführen kann, von Bluthochdruck zu Magengeschwüren und vielem mehr. Problematisch ist, dass sich unser inneres Wetter, die Stimmung langfristig eintrübt, wir das auf andere übertragen, aber selbst dabei passiv bleiben. Das Gute am Zorn ist, dass er eigentlich zur Aktion anregt. Er ist ein starker Impuls zur Reaktion, im Zorn schreit man oder haut auf den Tisch und würde am liebsten …

Wie kann ich den Zorn überwinden?

Im dritten Schritt entwickeln wir eine konkrete Strategie: Wie kann ich Ziele trotzdem verfolgen, ohne gegen eine Wand zu rennen? Welche Handlungen führen zu guten und konstruktiven Ergebnissen? Wie kann ich den gemobbten Kollegen unterstützen, ohne ein grantiger, zorniger, missmutiger Miesepeter zu werden?

Gefühle sind menschlich und männlich. Sie zu leugnen und zu verdrängen führt nur dazu, dass man von Gefühlen gesteuert wird, die man selbst nicht versteht. Wir müssen unsere Gefühle reflektieren, analysieren und Verantwortung für die nächsten Schritte übernehmen. So können wir emotional stabil werden und anderen Halt bieten.

Eduard Friesen (50) ist verheiratet und Vater von fünf Töchtern und einem Sohn. Er liest gerne und genießt spannende Serien. Er unterrichtet leidenschaftlich gerne junge Menschen am Bibelseminar Bonn und engagiert sich ehrenamtlich als Redner und Berater.

Symbolbild: Getty Images / E+ / FatCamera

Beruflich gescheitert: Nach einem Jahr merkt Axel, dass er Hilfe braucht

Ein Jahr versucht Axel, sich gegen seine neue Chefin zu behaupten. Dann merkt er: Auch Männer dürfen scheitern.

„Ich bin doch kein Typ für die Couch – das ist was für die anderen, aber nicht für mich!“, dachte ich. Bis ich mich im Sommer 2017 im Büro einer Psychotherapeutin wiederfand und froh war, endlich mal alles rauslassen zu können bei einer Person, bei der ich nicht die Sorge haben musste, dass mein Dilemma sie noch zusätzlich belasten würde.

Ein Jahr zuvor hatte ich eine neue Vorgesetzte bekommen. Bis dahin hatte ich sehr viel Wertschätzung erfahren für meine Arbeit, für meine Ideen und mein Engagement. Doch plötzlich war das alles nichts mehr wert – im Grunde von heute auf morgen. Offenbar hatte ich den Test nicht bestanden, den mir meine neue Chefin mit folgender Aussage präsentierte: „Ich bilde mir meine Meinung über Menschen in den ersten fünf Sekunden, und diese Meinung steht dann.“

Tiefschlag folgt auf Tiefschlag

Anfangs wollte ich das nicht glauben und begann zunächst mit dem Versuch, sie von meinem Können zu überzeugen. Ich legte mich ins Zeug, meldete mich freiwillig für die Jobs, die keiner wollte, und versuchte so, ihre Anerkennung zu gewinnen. Immerhin war ich schon zehn Jahre da, sie erst ein paar Monate – ich investierte all meine Kraft und hatte wirklich Hoffnung, dass das gelingen könnte. Doch das Gegenteil war der Fall: Immer mehr Steine wurden mir in den Weg gelegt, bewusst und mit Ansage genau die Dinge entzogen, die meine Arbeit für mich besonders machten. Also begann ich, mich zu wehren und zu kämpfen – nicht nur für mich, sondern auch für das Team, das fast ausnahmslos genauso litt wie ich. Ich versuchte den Weg über die Vorgesetzten meiner Chefin – und wurde als Bauernopfer ans Kreuz genagelt.

Tiefschlag folgte auf Tiefschlag – und trotzdem konnte und wollte ich nicht sehen, dass ich mich der Frage stellen musste, ob meine Zeit an dieser Wirkungsstätte einfach vorbei sein konnte. Das war einfach keine Option, denn es hätte bedeutet, als Verlierer mit eingekniffenem Schwanz das Feld zu räumen – und sowas kratzt enorm an der Männlichkeit. Mit alldem setzten auch die psychosomatischen Beschwerden wie Kopf- und Nackenschmerzen ein – es lastete einfach zu viel auf meinen Schultern. Dies bekam besonders meine Familie zu spüren – ein paar unordentlich abgestellte Teenager-Schuhe brachten mich schon beim Heimkommen direkt aus der Fasson und zum Lospoltern.

Der Anfang kostet Überwindung

Nun sind wir Männer ja häufig so gestrickt, dass wir unsere Probleme mit uns selbst ausmachen und ungern Hilfe annehmen; aber für mich war – auch nach einem sehr wertvollen Gespräch mit meiner wunderbaren Frau – klar: Du brauchst professionelle Hilfe, um damit umzugehen und deinen Weg zu finden. Es kostete mich anfangs Überwindung, den ersten Anruf zu tätigen, doch von Treffen zu Treffen wurde die Sicht für mich klarer und nach fünf Sitzungen konnte ich die entscheidende Frage meiner Therapeutin für mich beantworten: Wie viel Sinn macht es, neunzig Prozent der Kraft in etwas zu investieren, für das es eine bestenfalls zehnprozentige Wahrscheinlichkeit gibt? Also begann ich, über den Zaun zu schauen und nachzusehen, ob die Wiese da drüben nicht vielleicht genauso grün ist.

Anfang 2018 riss ich mir dann bei einem dummen kleinen Unfall meine rechte Oberschenkelsehne, was mir eine dreimonatige Auszeit aus der Gesamtsituation bescherte. Nicht ein einziger Anruf meiner Chefin, keine aufmunternde Mail des gesamten Führungsteams während der ganzen Zeit – das ließ mich erkennen, dass es keine Niederlage sein würde, wenn ich dort weggehe, sondern ein Gewinn für mich und meine neue Arbeitsstelle, wenn ich mich dort mit Freude und all meiner Kraft wieder einbringen darf.

Der Tag meiner Kündigung war eine solche Befreiung für mich! Die letzten Monate im alten Job fühlten sich derart leicht an, dass ich manchmal sogar ein wenig zu zweifeln begann, ob ich mich wirklich richtig entschieden hatte. Doch heute, mehr als drei Jahre später, ist rückblickend alles gut – ich bin glücklich mit meiner Arbeit (auch wenn es oft stressig und manchmal sogar chaotisch ist), und vor allem: Ich genieße die Wertschätzung, die mir so lange gefehlt hat und die mir nun in hohem Maß entgegengebracht wird.

Axel Hudak (48) lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Karlsruhe. Neben seinem Hauptberuf als Pflegepädagoge arbeitet er als Erlebnispädagoge und ermutigt bei dieser Arbeit Frauen und Männer jeden Alters darin, sich ihren Aufgaben und Fragestellungen auf aktive und souveräne Weise zu stellen und Lösungswege zu erleben und zu finden. faszinationerleben.de

Der Tritt in den Hintern

Warum wir Männer manchmal Nathan-Kritik nötig haben

Beim Arzt: „Wenn Sie weiterrauchen, dann gute Nacht.“ In der Männerumkleide: „Alter, du hast ganz schön zugelegt. Hab dich kaum wiedererkannt!“ Jahresgespräch in der Firma: „Sie haben die Zielzahlen nicht erreicht, wie erklären Sie sich das?“ Kritik tut weh. Manche ist haltlos, manche trifft genau ins Schwarze. So ging es König David in der Bibel, der einer schönen Frau beim Baden zusah. Ein erster Blick und es ist um ihn geschehen. David kann sich an Batseba nicht sattsehen. Ein zweiter Blick und er lässt sie zu sich holen. Neun Monate später wird Batseba ein Kind auf dem Arm halten, das David verblüffend ähnlich sieht. Ihre Kleidung wird schwarz sein, denn ihr Mann ist gestorben. Er wurde umgebracht – von David.

KRITIK: VON GOTT GESCHENKT
Nathans Kritik lässt in 2. Samuel 12 nicht auf sich warten. Als Nathan den König konfrontiert, hält er ihm einen Spiegel vor: „Ein Mann mit vielen Schafen hat einem Armen sein einziges Schaf weggenommen!“ David ist empört. Was für ein Unrecht in seinem Land! Doch als David nachfragt, von wem er denn rede, trifft ihn die Antwort wie ein Schlag: „Du bist der Mann!“ Nathans Kritik tut weh, aber es macht „Klick“. Er bereut zutiefst und Gott vergibt.

Wie fast alle Namen in der Bibel, hat auch der Name Nathan seine Bedeutung: „Nathan“ heißt „von Gott gegeben“ oder auch „von Gott geschenkt“. Nathans Kritik war für David ein Geschenk. Kein Geschenk, das man begeistert auspackt, aber eine Kritik, die einem Einsichten beschert, für die man in einem Coaching sehr viel Geld zahlen müsste. Ein VIP-Coaching Gottes, und das auch noch gratis.

Könnte es sein, dass auch uns immer wieder Nathan-Kritik erreicht? Kritik, die Gott uns schenkt? Da sagt ein Freund: „Wie du dich neulich verhalten hast, fand ich echt unter aller Sau.“ Ob das Nathan-Kritik sein könnte? „Da bist du auf dem Holzweg“, warnt die Stimme. Ob diese Stimme von Gott kommt?

Wenn der Hautarzt sagt: „Das Muttermal an ihrem Hals sieht verdächtig aus, das sollten wir näher untersuchen“, sagt er nicht: „Haha, was haben Sie denn da am Hals?“. Er ist um unsere Gesundheit besorgt. Nathan-Kritik will uns nicht schikanieren. Sie gleicht einem Hustensaft. Hustensaft schmeckt bitter, aber er hilft. Kritik tut weh, aber sie heilt.

KRITIK: VON FREUNDEN GELIEFERT
Hand aufs Herz: Wie offen sind wir für Kritik? Nathan-Kritik fällt nicht vom Himmel. Sie begegnet uns auf Augenhöhe – durch Menschen wie Nathan oder eben Timo, Stefan oder Max. Menschen aus unserer WhatsApp-Liste, unserem Freundeskreis, unserer Familie, von der Arbeit. Klar: Kritik muss geprüft werden. Manche trifft den Nagel auf den Kopf. Andere enthält nur ein Fünkchen Wahrheit. Doch manche Kritik erreicht uns, damit wir uns verändern; wir wären blöd, sie zu ignorieren! Kritik kann fertigmachen und niederdrücken. Aber manche Kritik ist eben Nathan-Kritik – Kritik, die Gott uns schenkt.

Oliver Helmers (37) lebt mit seiner Familie in Denkingen am Fuße der Schwäbischen Alb. Er ist Pfarrer der württembergischen Landeskirche.

Ein Indianer kennt doch Schmerz

Fast 139.000 Menschen wurden im Jahr 2017 Opfer häuslicher Gewalt, das ist bekannt. Weit weniger bekannt ist allerdings, dass knapp 17 Prozent davon, etwa 25.000 Menschen, Männer waren. Klaus Schmitz ist Berater beim Verein „SKM Köln – Sozialdienst Katholischer Männer“ und hilft ihnen, sich aus diesem Opferstatus zu befreien.

Das Büro von Klaus Schmitz, mitten in der Kölner Innenstadt, strahlt Gemütlichkeit aus. Ein Teppich sorgt für das nötige Wohnzimmerfeeling, eine IKEA-Leuchte taucht das Zimmer in warme Farben. Diese Wohlfühlatmosphäre ist Klaus Schmitz ausgesprochen wichtig, schließlich sollen seine Klienten sich ihm hier öffnen. Und das alleine fällt vielen schon schwer genug, ein kühles Interieur würde nur zusätzlich hemmen. In die Beratung des SKM kommen Männer mit den verschiedensten Problemen. Manche befinden sich in Krisen, andere sind selbst gewalttätig geworden. Doch auch für diejenigen hat der Berater ein offenes Ohr, die Opfer von Gewalt geworden sind.

MÄNNER HABEN STARK ZU SEIN
„Das ist ein absolut tabuisiertes Thema“, erklärt Schmitz. Der Mann sei schließlich von klein auf der, der sich durchsetzen müsse. Er sei der Problemlöser. Für schwache Männer habe die Gesellschaft kein Verständnis. Der Spruch „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ sei nach wie vor in den Köpfen verankert – mal bewusst, mal unterbewusst.

Ein aktuelles Beispiel aus dem Leben des gelernten Erziehers macht die derzeitige Situation deutlich: Bei einem Vortrag zeigte er dem Publikum ein Video, welches von Darstellern als soziales Projekt nachgestellt wurde. In dem Film ist eine Frau zu sehen, die von einem Mann öffentlich geschlagen wird. Wie zu erwarten eilen die Passanten im Film der Frau zur Hilfe. Dann werden die Rollen getauscht. Der Mann wird zum Opfer. Die Passanten zücken die Smartphones und machen Bilder, einige prügeln mit auf den Mann ein. Im Publikum vor Ort gab es ein Raunen. „Es wurde gelächelt, einige haben sogar gelacht. Es ist gar nicht im Bewusstsein, dass es so etwas geben kann“, so der Berater. Er habe das als enttäuschend empfunden.

Werden Männer misshandelt, fühlen sie sich oft, als hätten sie in ihrer Männlichkeit versagt. Sie schweigen. Das gehe mitunter so weit, dass die Opfer noch im Krankenhaus behaupteten, sie seien mit dem Fahrrad gestürzt, weiß Schmitz.

SOZIALE ABHÄNGIGKEIT
Meist beginnt das Leiden mit psychischer Gewalt. Die Partnerin oder der Partner beginnt mit Erpressung, Drohung oder Stalking. Soziale Interaktionen und Kontakte werden verboten, Mails kontrolliert. Jeder Kontakt nach außen weckt für den Täter Misstrauen. Das Opfer begibt sich in eine soziale
Abhängigkeit zum Gegenüber, die in einer Selbstaufgabe endet. Nach der psychischen kommt oft die physische Gewalt. „Die ist oft aber gar nicht im Bewusstsein. Eine Ohrfeige wird nicht als Gewalt angesehen“, so der 41-Jährige. Der Mann hält aus, hofft, dass es vorübergeht.

Den Weg zu Klaus Schmitz nehmen die Betroffenen oft erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Bei ihm geht es dann in erster Linie darum, die Gefühle der Betroffenen wieder zu wecken. „Einige Männer haben sich im jungen Alter manche Emotionen abgewöhnt. Sie denken, nur wenn sie diese Gefühle nicht mehr zulassen, sind sie handlungsfähig.“ Diese versteckten Emotionen neu zu entdecken, ist das Ziel des sogenannten „empathischen Begleitens“. Wichtig ist dem Männerberater dabei, nicht einfach Lösungen vorzugeben. Schließlich täten die Männer sonst nur das, was er gesagt habe. Viel wertvoller sei es für sie, selbst auf die Lösungen zu kommen.

Auch der Glaube ist in den Gesprächen immer wieder Thema. „Die Klienten fragen sich: Warum tut Gott mir das an?“ Die Aufgabe bestehe für den Berater dann darin, zu zeigen, dass sie mit dieser Frage nur Verantwortung abwälzten. Ein wichtiger Teil der Beratung sei es, Selbstverantwortung zu übernehmen.

33 Klienten betreut Schmitz derzeit. Davon sind 17 Männer Opfer von häuslicher und sexualisierter Gewalt. 20 weitere Männer befinden sich auf der Warteliste. Dass den Betroffenen ein Mann gegenübersitzt, hält der Berater für unglaublich wichtig. „Die Frau als Beraterin wird entweder als Täter oder Opfer gesehen, nicht als Beraterin.“ Von Mann zu Mann gebe es eine größere Akzeptanz.

RÜCKZUGSORTE FEHLEN
Schwierigkeiten gibt es noch, wenn es um die Begleitung der Männer über die Beratung hinaus geht. „Wir haben wenig Möglichkeiten, die Männer zu schützen“, weiß Schmitz um die Herausforderungen. Kämen die Männer nach einem Gespräch nach Hause, wüssten sie nicht, was sie dort erwarte, wie beispielsweise die Frau reagiere. Die einzige Handhabe gegen gewalttätige Partner sei derzeit das Gewaltschutzgesetz: Wird ein Partner handgreiflich, muss er für zehn Tage das Haus verlassen.

Eine größere Chance für die Opfer, Abstand zu gewinnen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, sieht der Männerberater in den Männerhäusern. „Ich halte es für ganz wichtig, dass Männer sich zurückziehen können.“ Doch genau hier liegt die Krux: 486 Frauenhäusern stehen in Deutschland gerade einmal vier Männerhäuser gegenüber. Hier besteht also Handlungsbedarf. Der SKM will diese Situation zumindest in Köln bald ändern. Hier werden derzeit zwei Schutzappartements für Männer eingerichtet. In Zukunft kann hier also ein Rückzugsort angeboten werden.

Von Nathanael Ullmann

KONTAKT ZUR BERATUNGSSTELLE:
Krisen- und Gewaltberatung für Männer
SKM – Sozialdienst Katholischer Männer e. V.
Ansprechpartner: Klaus Schmitz
Große Telegraphenstraße 31, 50676 Köln
Telefon: 0221/20 74-229
Mobil: 0176/15 06 76 23
klaus.schmitz@skm-koeln.de
www.skm-koeln.de/maennerberatung

WEITERE BERATUNGSSTELLEN
für Männer fnden Sie unter www.echte-männer-reden.de