„Lieblingsthemen“ – Wenn Christen sich festbeißen

Eine Geraer Kirchengemeinde träumt von einer Partnergemeinde in den USA. Bei einer Reise wagt Uwe Heimowski den Schritt nach vorne und fällt grandios auf die Nase.

What do you think about abortion, what is your opinion about same sex marriage?“ Die Worte schossen aus dem Mund der Frau wie Pfeile. Ihr Finger bohrte sich in mein Brustbein, ihr Blick fixierte mich unnachgiebig. Ich fühlte mich wie angenagelt. Dabei hatte ich doch nur eine vorsichtige Frage gestellt.

Seit 2002 unterhält unsere Kirchgemeinde in Gera eine verbindliche Partnerschaft mit einer Baptistengemeinde in Rostov am Don (Russland). Wir besuchen uns gegenseitig, ler-nen viel voneinander, und die Geraer Gemeinde unterstützt mit Spenden die wohltätige Arbeit der Christen in Russland. Sie arbeiten unter Straßenkindern, besuchen AIDS-kranke Frauen im Gefängnis, gestalten Ferienprogramme für Flüchtlingsfamilien aus Tschetschenien oder engagieren sich für ihr Gemeinwesen: In einer Sommeraktion renovierten sie einen städtischen Spielplatz in Rostov. Ein Jahr später halfen sie uns bei einem ähnlichen Projekt in Gera.

IM ZEICHEN DER VERSÖHNUNG

Unsere Freunde sind theologisch und ethisch stockkonser-vativ. Frauen tragen Kopftuch im Gottesdienst. Christen rauchen nicht, trinken nicht, besuchen keine weltlichen Veranstaltungen. Wir dagegen sind in der Lebensgestaltung eher liberal. Das war nie ein Problem in der Partnerschaft. Wir glauben uns gegenseitig unserer Glauben – und machen uns stark für sozial-diakonische Projekte.

Die Partnerschaft lebt. Und doch hatte ich seit Jahren einen Traum: Wäre es nicht schön, noch einen dritten Part-ner zu haben? Eine amerikanische Gemeinde mit ins Boot zu holen und dann gemeinsam Projekte anzuschieben? In Gera, der kleinen Großstadt im Osten Thüringens, wäre das doch ein deutliches Zeichen der Versöhnung: Russen, Amerikaner und Deutsche setzen ein Zeichen für den Frieden. Sieben Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg, ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Krieges. Ehemals verfeindete Nationen arbeiten für den Frieden. Als Christen. Was für ein starkes Symbol!

Jahrelang hatte ich nach einer Gelegenheit Ausschau ge-halten, einen US-Partner zu finden. Nichts Greifbares hatte sich ergeben. Nun schien meine Gelegenheit gekommen zu sein. Ich war Teil einer Delegation meiner Heimatstadt zu einem Partnerschaftsbesuch in den USA. Fort Wayne (Indiana) ist eine Partnerstadt von Gera. Ebenso wie Rostov am Don. Uns lag das als Gemeinde am Herzen: die kirchliche Partnerschaft mit der städtischen Partnerschaft zu verknüpfen. Das gäbe dem Projekt einen Horizont mit größerer gesellschaftlicher Relevanz, fanden wir.

Der Besuch war herzlich. Wir wurden fantastisch empfangen. „Sister cities“ stehen in den USA hoch im Kurs. Ein folkloristisches Chorensemble hatte extra für uns ein deutsches Lied einstudiert: „Musidenn musidennn zoom städdele hinaaauuus“. Empfänge, Kulturveranstaltungen, Stadtführungen – ein buntes Programm wurde uns geboten. Bei jeder Gelegenheit erzählte ich von meinem Anliegen, im-mer wieder fragte ich nach Kirchen. Endlich fand ich Gehör. Man stellte mir die Frau des Pastors einer der örtlichen Bap-tistengemeinden vor. Hocherfreut schilderte ich ihr mein An-liegen. Doch ich hatte kaum geendet, da schoss ihr Zeigefinger auf mich zu: „Was denkst du über Abtreibung, wie ist deine Meinung zur gleichgeschlechtlichen Ehe?“ Zu perplex um zu antworten, murmelte ich eine Höflichkeitsfloskel und befreite mich so schnell es ging aus ihrem verbalen Kugelhagel.

IM SCHNELLCHECK DER RECHTGLÄUBIGKEIT

Was war das denn? Ich hatte von Frieden erzählt, von Pro-jekten für das Gemeinwohl, von einem gemeinsamen Zeugnis als Christen. Und sie hatte mich einem „Quick-Scan“ unterzogen. Einem Schnellcheck auf Rechtgläubigkeit. Ich fühlte mich grottig: unverstanden, abgelehnt, angeprangert. Und ich verlor den Mut. In diesen Tagen in Fort Wayne fand ich einige Freunde, aber keine Partnergemeinde. Um nicht missverstanden zu werden: Es geht mir hier nicht um Anti-Amerikanismus. Mir ist das Erlebnis in anderer Weise beispielhaft. Immer wieder treffe ich Christen, die das Christensein auf einige wenige Themen reduzieren. Sexualethik ist da besonders beliebt.

Wie kommt das nur? Lebensschutz steht auch bei mir hoch im Kurs. Und die Ehe zwischen Mann und Frau halte ich für eine schützenswer-te Institution. Ich bin durchaus wertkonservativ. Aber sind das wirklich die Nummer-Eins-Themen eines Christen? Sind der Einsatz gegen Abtreibung und die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft die Maßeinheiten für einen gesunden geistlichen Blutdruck? Könnte das nicht auch Gerechtigkeit sein? Und Frieden? Und Menschenrechte? Und eine Stimme für alle Armen und Unterdrückten? Ist nicht der Kampf gegen die Diskriminierung von Lesben und Schwulen ebenso eine christliche Tugend wie der Einsatz für Ehe und Familie? Sind nicht Straßensozialarbeit unter Teenagern und ver-trauensvolle Familienhilfe die eigentliche Präventionsarbeit gegen Abtreibung? Wo sind wir Christen da?

Mittlerweile haben wir den dritten Partner im Boot, eine presbyterianische Kirche aus Cross Roads / Virginia. Ebenfalls konservativ. Ziemlich konservativ. Und zugleich einem höheren Ziel verpflichtet: der Völkerverständigung. Wir arbeiten gemeinsam für den Frieden.

Uwe Heimowski (50) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich, Stadtrat, Vater von fünf Kindern, Ehemann und Gemeindereferent in der Evangelisch freikirchlichen Gemeinde Gera.

15 Kommentare
  1. Daniel Schwierski says:

    Es ist voll und ganz nachvollziehbar, dass sich Uwe in der beschriebenen Gemeinde in den USA fehl am Platze fühlte. Deren Art von „Konservatismus“ deckt sich sicherlich nicht mit Uwes Verständnis des Evangeliums und der Nachfolge. Sicherlich hat Uwe in seiner eigenen Gemeinde den passenderen Ort gefunden. Auch als Mitarbeiter eines evangelischen CDU-Bundestags-Abgeordneten ist er sicherlich am richtigen Ort. Ferner könnte ich mir Uwe auch auf einer Veranstaltung wie dem vergangenen und nächsten Evangelischen Kirchentag sehr gut vorstellen. Böse Stimmen mögen sagen: All dies sind Orte für Laodizea, belanglos, beliebig, wohlangepasst und seichtem Zeitgeist gefügig. Aber hat uns nicht Christus geboten, böse Stimmen zu unterlassen? In diesem Sinne wünsche ich, dass der HERR den Vogel der Erkenntnis auf Uwes Nase brüten lässt und ihn neuerlich segnet (nicht den Vogel, sondern Uwe). Und möge der HERR uns alle, einschließlich Uwe, davor bewahren, böse zueinander zu sein und schlecht übereinander zu sprechen.

    • Elias Weingarten says:

      Ich schließe mich meinem Vorredner Daniel an und möchte ergänzen: Der Uwe hat ein Evangelium vor Augen, das Werte wie Frieden, Verständnis, Toleranz, Akzeptanz usw. in den Fokus stellt. Diese Ziele sind für einen Christen zwar relevant, aber nicht typisch christlich, da sie jede aufgeklärte Demokratie prägen sollten und insofern kulturübergreifend sind. Sie könnten einem Parteiprogramm entnommen sein. Zum eigentlichen „Markenkern“ der Kirche gehören aber „vertikal“ ausgerichtete Themen: Die Beziehung Mensch-Gott, die Frage der Sünde und der Gnade, Buße und das ewige Leben, einschließlich ethischer Fragen wie z.B. Homosexualität oder gar Abtreibung. Obwohl hier die Bibel sehr aussagekräftig ist, werden diese Themen von manchen Mainstream-Gemeinden gemieden.

      Gehört Uwes Gemeinde etwa zu diesen Zeitgeistkirchen? Der Verdacht drängt sich auf. Als Pastor könnte er sich nämlich auch über die bibeltreue Haltung der Geschwister freuen, anstatt über sie zu lästern. Sie tun nichts Unrechtes und suchen die Gemeinschaft mit gleichgesinnten Christen, für die die Bibel ebenfalls Maßstab ist. Stattdessen muss diese Begegnung den Uwe wohl tief verletzt haben. Anders kann man sich seine unversöhnliche Haltung inkl. der öffentlichen Bloßstellung nicht erklären. Vorschlag an Uwe: Im Hauskreis mal Philipper 2,3-4 besprechen.

      • Denise says:

        Was heißt „Zeitgeistgemeinde“? Leider wird dieses Wort hier sehr abgewertet. Ist es nicht die Aufgabe von uns Christen, ansprechend für die Menschen der heutigen Zeit zu sein, Einladend, freundlich und den Zahn der Zeit begreifen? Mann muss nicht alles gutheißen, aber auch muss manches einfach mal „stehen gelassen weden“ wenn wir es anders sehen. Vieles was Christen leben und denken ist der eigenen Prägung geschuldet und manches Mal täte es gut diese theologische Brille abzusetzen und neu in die Bibel zu blicken, undoh ja „Überraschung“ sie lässt durchaus Spannung und sogar Wiedersprüche zu. Christlicher Lebenswandel hat also auch mit Stilfragen zu tun, was zu mir passt und was der Spannungen und Widersprüche ich für mich als wahr erkannt habe – dafür muss man sich ja nur in der Vielfältigen Gemeindelandschaft umschauen. Gut das Jesus zu jedem persönlich redet! Und übrigens war Jesus selber es, der Werte wie Frieden, Gerecht u. Toleranz in den Fokus gesetzt hat. Man beachte mit welchen Menschen er hauptsächlich unterwegs war… Danke Uwe für deine ehrlichen Worte. Sei gesegnet in deinem Dienst!

      • Sören Brünninghaus says:

        Mich schockiert dieser Beitrag. Darum beziehe ich mich doch noch direkt darauf.
        Friede, Verständnis, Toleranz, Akzeptanz… etc als nicht typisch christlich zu charakterisieren; dafür aber eine bestimmte Haltung zur Homosexualität – das haut dem Fass den Boden aus. Diese Sicht zur Homosexualität dann auch noch im Zusammenhang der vertikalen Ausrichtung zu verorten, während die anderen da offenbar nicht hingehören… Da sind die Relationen etwas aus den Fugen gegangen.
        Zentrale Botschaft Jesu sind diese „nicht typisch christlichen“, „kulturübergreifenden“ Themen „aufgeklärter Demokratien“. Gerechtigkeit, Wertschätzung, Großzügigkeit. Natürlich in Verknüpfung mit der Vertikalen: Gottvertrauen und Vergebung. Keine Frage.
        Zu entdecken, dass diese wirklich typisch christlichen Themen auch von Menschen entdeckt werden, die Christus noch gar nicht kennen, finde ich ungeheuer erfreulich. Mein Respekt vor ihnen wächst: Sie haben auch das entdeckt, wofür Christus mir erst die Augen öffnen musste.
        „Homosexualität“ finde ich überhaupt nicht in Jesu Reden. Ich finde sie nur in Randnotizen von Paulus und Levitikus. Etwa auf einer Höhe mit dem Verbot, Kleidung zu tragen, die aus zwei verschiedenen Fäden gewebt ist. Ganz am Rand – da wo die Bibel in ihrer Ethik sehr unscharf wird, weil sie sich von ihrer Mitte Jesus Christus entfernt und immer mehr das individuelle Gepräge ihrer Autoren annimmt.
        Ich weiß, das wird Elias nicht überzeugen, der ein anderes Verständnis von der Schrift hat als ich. Aber bei der Vielfalt der Meinungen, die zu manchen ethischen Themen in der Bibel vertreten werden (z.B. das damals sehr relevante Thema „Götzenopferfleisch in Apg 15 und Rö 12), will ich die Bibel nicht als unfehlbaren Ethikkatalog lesen, sondern als das, was sie offenbar auch sein will: Ein Buch von Menschen, die Gott auf der Spur sind, von seiner Offenbarung inspiriert sind und in alltäglichen Fragen um einen Weg im Sinne Christi ringen. Nicht unfehlbar; aber gerade darin auch Vorbild für mich, der auch nicht unfehlbar ist und um diesen Weg ringt.

        • Elias Weingarten says:

          In seinem Leserbrief spricht Sören der Bibel ihre Eigenschaft als verbindlichen und unfehlbaren Ethikkatalog ab. Damit unterwirft er die Gottes Anweisungen zu einem geistlichen Leben dem Dogma der Beliebigkeit.
          In Sörens Theologie sind wir Menschen hilflose und blinde Wesen, die mangels verbindlicher Richtschnur im Nebel stochern, aber wenigstens guten Willens und gemeinsam auf der Suche nach Frieden und Gerechtigkeit sind.

          Dabei sollten wir die Bibel als gültige Richtschnur auch für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität ernst nehmen. Für uns Christen ist hier besonders das Neue Testament entscheidend. Daher können wir in Römer 1, 1. Korinther 6 und 1. Timotheus 1 die ablehnenden Textstellen in Bezug auf das Praktizieren von Homosexualität unter Christen finden. Die Bibel zählt praktizierende Homosexuelle im gleichen Atemzug mit Habsüchtigen, Trunkenbolden, Lästerern und Ehebrechern auf. Jesus belehrt die Pharisäer in Mt. 19 sehr klar und deutlich über das Wesen der Ehe zwischen Mann und Frau, die in er Ehe zu einer neuen Einheit verschmelzen. Wenn eine Kirche diese Zusammenhänge nicht mehr predigt, weil sie unpopulär geworden sind, hat sie ihre Wirkungskraft verloren und müsste geistlichen Konkurs anmelden.
          Die christliche Gemeinschaft aber soll nicht richten, sie steht allerdings vor der Herausforderung, wie sie solchen Männern und Frauen helfen kann, Jesus zu finden und einen Lebensstil zu führen, der Ihm gefällt. Jesus hat alle Sünder geliebt und angenommen, aber er hat auch sündige Handlungen und Lebensstile bloßgestellt und deutlich angesprochen.

          • Sören Brünninghaus says:

            Woher weißt du so viel über meine Theologie? Ob das wohl nicht etwas schnell geschossen war? Ich fühle mich gar nicht hilflos und blind. Aber das ist wohl nur Folge meiner Blindheit.

            Du schreibst von Beliebigkeit.
            Man kann versuchen, der Beliebigkeit dadurch zu entgehen, dass man sich eine objektive Instanz sucht. Unter Christen ist das natürlich gerne die Bibel. Ich sehe aber nicht, wie man damit der Beliebigkeit entgehen sollte. Die Beiträge hier machen das ausreichend deutlich. „Homosexualität“ wird gerne beliebig als Maßstab der Rechtgläubigkeit heraus gepickt, während – wie hier schon geschehen – Liebe und Barmherzigkeit gerne mal zu allgemein-menschlichen ethischen Maßstäben degradiert werden. Warum macht man nicht das Tragen von Kleidung aus nur einem Stoff und nicht aus vermischtem Gewebe zum allgemeingültigen Maßstab, wie es doch ausdrück in Lev steht? Oder, wenn man nur das NT gelten lässt (was ich nicht nachvollziehen kann), die Forderung nur koscher geschlachtetes Fleisch (ohne Blut!) zu essen. Darauf haben sich doch die Apostel und der Heilige Geist in Apg 15 geeinigt.
            Will man die Bibel als gültige (und gemeint ist wohl „fehlerfreie“) Richtschnur für das Leben annehmen, muss man das ganz machen. So einen Menschen habe ich noch nicht kennen gelernt. Bisher bin ich nur Menschen begegnet, die beliebig einige Themen heraus gepickt haben und andere unter den Tisch fallen gelassen haben.

            Ich orientiere meine Ethik an der Mitte, die Jesus ihr gegeben hat. Das Gebot der Liebe. Zweimal wird ausdrücklich im Mt darauf hingewiesen, dass Jesus das Gebot der Liebe für die Zusammenfassung des ganzen AT/ des ganzen Gesetzes und der Propheten ansieht. Daran hat sich alles zu messen. Und ich verstehe die Kirche als eine Gemeinschaft, die darum bemüht ist, das Gebot der LIebe auf die jeweilige Situation hin auszulegen. Dabei immer im Gespräch mit den biblischen Stimmen, die aber auch selber zu dieser Auslegungsgemeinschaft gehören. Denn so verstehen sie sich offenbar selber, wenn z.B. Paulus und Jakobus immer wieder aneinander geraten und miteinander ins Diskutieren kommen.

            Ich weiß, wer auf der Suche nach Objektivität ist – den wird das nicht zufrieden stellen. Aber den Zahn hat mir die Bibel selber gezogen. Zu viel wird auch in der Bibel diskutiert, verschieden dargestellt und abgewägt, als dass ich da eine Art von Objektivität finden könnte.

            Vielleicht gehört ja das gerade zum Wesen der Liebe, dass ich die Situation betrachen muss und dass ich dazu verdonnert bin, mich mit der Situation auseinander zu setzen. Und dann zu schauen, was ich im Vertrauen auf Gott als Weg der Liebe erkenne.

          • Elias Weingarten says:

            Hallo Sören,
            Wollte dir hier erst direkt antworten, aber die Funktion ist nicht aktiv. Daher landet dieser Kommentar „parallel“.

            Es tut mir leid, wenn ich dich mit meinen Formulierungen irritiert oder verärgert habe. Wenn ich darüber länger nachdenke, finde ich, dass du in einem Punkt völlig recht hast: Es ist schwierig, letztlich doch die Bibel eins zu eins als Ethik-Katalog zu übernehmen, sicher wird es in vielen vielen Bereichen immer ein Ringen um die Wahrheit bleiben. Du beschreibst diesen Zusammenhang ja auf eine verständliche Art und Weise, bei der ich voll mitgehe. Außerdem hast du auf meine Leserbrief erstaunlich fair und gelassen reagiert, was mir dann auch imponiert. Danke also dafür!

            Das Thema Homosexualität allerdings ist für mich so ein Thema, das offenbar im AT als auch bei Paulus im NT einfach schlecht wegkommt, weil es vielleicht mehr mit einem übergeordneten (damit auch sowohl im J.-tum als auch im Chr.-tum erwähnten) Schöpfungsmaßstab zu tun hat. Daher reite ich hier ein wenig darauf herum, denn ich habe dabei das Gefühl, dass wir hier schnell etwas gutheißen, was Gott nicht will.
            Dennoch bleibt bestehen, dass – egal welche Haltung ich am Ende zur H. einnehme – mich das von Jesus geforderte Gebot der Liebe antreiben muss.
            In diesem Sinne: ein gesegnetes Weihnachtsfest!

  2. Gert Scharf says:

    Ein solcher „Quick Scan“ würde mir auch nicht gefallen. Mir gefallen Menschen nicht, die andere in ihre Schublade stecken wollen und wenn es nicht passt ist man außerhalb derer „Rechtgläubigkeit“(?)! Uwe freut sich gewiß über bibeltreue Haltung, aber genauso wenig wie ich an oberflächlicher Einordnung der Person. Ich finde es mutig und der Unterstützung wert, die in der evangelikalen Welt nicht so angesagten Themen anzureissen und damit herauszufordern. Genau, jede Art von Diskriminierung ist bekämpfenswert! Mein Wunsch ist es, dass für den „gesunden geistlichen Blutdruck“ die Authentizität jedes Nachfolgers Jesu mehr in den Vordergrund gerückt wird, anstatt irgendein Prinzip, Wertepapier, Programm oder Konzept. Das ist meine Beobachtung: Wenn sogenannte „Gegner“ der evangelikalen Christenheit Authentizität im Alltag erleben, fällt sehr schnell der (anerkennende, wohlwollende) Satz, „Das ist aber nicht wie die Kirche im allgemeinen“. Je mehr authentische Nachfolge gelebt wird, um so gesünder wird auch der geistliche Blutdruck der Gemeinden sein… „und sie hatten viel Gunst unter dem Volk:“

  3. Ulrich Wagner says:

    Uwes Resktion kann ich nachvollziehen. Den Lackmus-Test der Bibeltreue an Abtreibung und Schwulsein festzumachen und diesen noch vor eine Begrüßung zu stellen zeugt von großer Angst einerseits und Schublsdendenken andererseits. Schade, nicht christlich. Der G26 dann noch einen Kniefall vor dem Zritgrist vorzuwerfen wie es Weingsrten tut, zeigt dass das Haschen nach Abgrenzungsgelegenheiten auch hier gut verbreitet ist. Schade. Ist das nicht eher der Zeitgeist?
    Ulrich Wagner

  4. Korina Fischer-Wiegand says:

    Wow. Was für ein ehrlicher und auf die wahren Werte von uns Christen hinweisender Artikel. Danke.

  5. Sören Brünninghaus says:

    Es reicht wohl, die biblischen Aussagen über Homosexualität und die über Gerechtigkeit und Frieden zu zählen, um eine Entscheidung darüber zu fällen, welche Themen sich eignen, wenn man einen Lakmustest für nötig hält. Ich halte ihn nicht für nötig und würde mich dabei einfach auf die Tatsache stützen, dass es 0 Vorkommen für christliche Lakmustests in der Bibel gibt.

    Was allerdings eine Rolle spielt, ist das Eintreten für einen gesellschaftlichen Wandel. Davon sind Propheten und Evangelien voll. Und da finde ich eine Dreieckspartnerschaft mit Gemienden aus Amerika und Russland ungeheuer spannend.

  6. Sören Brünninghaus says:

    Elias, ich kann nicht direkt auf dich antworten. Eigenartig… Darum schreibe ich es hier hin.
    Erst einmal vielen Dank für die Wertschätzung, in der du geschrieben hast!

    Ich denke auch, dass in der Erschaffung des Menschen die Idee liegt, dass Mann und Frau heiraten, Familie gründen, Kinder bekommen und den Kindern in der Familie ein geborgenes zu Hause bieten. Diesen Wert halte ich absolut hoch. Ich bin meinen Eltern dankbar, dass ich so ein zu Hause hatte. Und ich genieße es gerade, meinen Kindern das zu bieten.
    Ich erlebe das als Privileg. Denn es ist nicht selbstverständlich. Ehen gehen in die Brüche. Kinder sterben. Manche Eltern bekommen keine Kinder. Manche Menschen finden keinen Partner. Wir obendrein noch das Glück, dass wir in einer wundervollen Wohngegend in einem eigenen Haus wohnen. Absolut privilegiert. Nichts davon habe ich verdient. Nicht einmal, dass ich mit meiner Frau glücklich bin. Ich habe zwar auch irgendwie alles „richtig“ gemacht. Ich habe sie geheiratet und wir sind uns treu und investieren in die Beziehung. Aber ich beobachte auch, dass die wenigsten Ehen am guten Willen scheitern. Oft ist es der Ballast den Menschen mit in die Ehe bringen oder es sind die ungünstigen Rahmenbedingungen.
    Was ist also mit den Menschen, die nicht so priviligiert sind, dieses Glück leben zu können?
    Zu diesen Menschen zähle ich auch in gewissem Sinne Menschen, die sich nun mal leider nicht in Menschen des anderen Geschlechts verlieben; sondern in die des eigenen. Sie werden nicht miteinander Kinder in die Welt setzen. Und sie begegnen auch vielen Menschen, die es nicht einmal für richtig halten, dass sie überhaupt zusammen sind. Darum wünsch ich ihnen, dass sie „wenigstens“ miteinander glücklich sind und eine treue Beziehung leben. Und ich bin beeindruckt, wie viele von ihnen in ihrer Beziehung wirklich Glück ausstrahlen.

    Ja, du hast Recht: In der Bibel finde ich das nicht. Ich finde da nur den ersten Teil: Gottes Idee von der Familie. Und trotzdem ist mein Eindruck, dass ich mit dieser Sicht sehr auf der Linie Jesu liege. Aber das kann ich natürlich überhaupt nicht beweisen.
    Dass Texte aus Levitikus und aus Paulusbriefen auf einer ganz anderen Linie sind, stelle ich schmerzhaft fest. Und ich frage mich, warum das so ist. Ich kann mir vorstellen, dass es damit zu tun hat, dass in dieser Zeit Homosexualität einfach ein Tabu war und dass man keine glücklichen homosexuellen Paare kannte, weil die im Untergrund lebten. Vielleicht hing es auch damit zusammen, dass es im Umfeld auch immer in bestimmten Gruppen Tendenzen gab, Homosexualität zu idealisieren und sie als „reinere Liebe“ hochzustilisieren; im schlimmsten Fall auch noch mit reinen Knaben. Da wird es dann wirklich abscheulich. Wer nur das sieht und nicht die gesunden Partnerschaften, der kann auch nicht zu einem differenzierten Bild kommen.

    Ja, das ist alles sehr subjektiv und zum Teil spekulativ. Ich bin halt auf der Grundlage des Liebesgebots auf der Suche, wie ich es oben geschrieben habe.

  7. Daniel Schwierski says:

    Denise, Sören Brünninghaus, Gert Scharf, Ulrich Wagner, Korinna Fischer-Wiegand, und natürlich Uwe: Alles brave Menschen, zweifellos. Sie tragen Gutes im Herzen, sind Christen (auch Weingarten) Aber ist es nicht so, dass uns die jüngsten Vorfälle – in all ihrer Abscheulichkeit – auch hinsichtlich der hier ausgebreiteten Themen (Neigungen außerhalb der Norm) zur Reflexion anregen sollten? Ist jüngst nicht mancher aus seinem „Schublsdendenken“ (Gert Scharf, vermutlich war Schubladendenken gemeint) wie aus einem bleiernen Traum erwacht? Wurden die „wahren Werte“ (Korinna Fischer-Wiegand) nicht schmählich getreten, befingert, umgelogen, verdreht, missbraucht und in den Schmutz gezogen? Wer war „gesegnet“, wie und wo (Denise)? Hat das Zusammenbrechen naiver Denkschablonen nicht aktuell bereits einen Niederschlag im „Blutdruck der Gemeinden“ (Gert Scharf) gefunden? Haben sich vermeintlich christlich begründete Zukunfts-„Konzepte“, für die ein Uwe einstand, nicht als Makulatur erwiesen? Hat denn das „Eintreten für gesellschaftlichen Wandel“ (Sören Brünninghaus) in angemessener Weise stattgefunden? Deswegen lassen wir fortan bitte die Schablonen Schablonen sein – und nehmen doch besser Erkenntnisse der „Schrift“ an. Damit meine ich nicht nur das NT, sondern namentlich die Hebräischen Schriften: Wir lesen an vielen Stellen, wie eine böse und degenerierte Führung und die Nichtachtung des Rechts ganze Populationen ins Verderben stürzen können. Ist es an HaSchem, zuzulassen, dass genau dies nun an uns selbst vollzogen wird? War das Bisherige nur ein kleiner Vorgeschmack kommender Dinge? Oder können wir es als Anstoß zu Gebet, Einsicht und Umkehr ansehen? Daher möge man sich nicht an Themen wie Homosexualität festbeißen und nicht die Gemüter sich daran erhitzen lassen. Eigentlich ist das kindisch. Wirkliche Verwerfung findet auf anderer Ebene statt. Möge daraus nicht noch schlimmere Heimsuchung werden. Möge vielmehr der Vogel der Erkenntnis auf Euren Nasen brüten!

    • Sören Brünninghaus says:

      Daneil Schwierski, leider schreibst du nicht wirklich, was du meinst. Du deutest nur an. Ich vermute du meinst vor allem die Vorfälle in Köln. Und ich fürchte, du stellst einen Bezug her zwischen der Tatsache, dass Frau Merkel Farbe bekennt und mit christlichen Werten im Rücken Menschen in Not und auf der Flucht eine Heimat gibt, und diesen Zwischenfällen.
      Ja, auch Menschen auf der Flucht, die in einem Land Zuflucht gefunden haben, werden straffällig. Sie werden das vielleicht sogar umso mehr, weil sie Schreckliches erlebt haben und weil sie jetzt in großer Not sind. Und trotzdem ist das nicht einfach unter den Teppich zu kehren. In Köln haben Menschen schreckliche Dinge verübt.
      Aber auf diese schrecklichen Taten, die 100 oder mehr Menschen treffen, die schreckliche Tat folgen zu lassen, Menschen in Not keine Zuflucht zu geben – das trifft Millionen Menschen. Und es ist weder mit dem Alten noch mit dem Neuen Testament zu rechtfertigen. Es wäre nur mit Angst oder mit Hass zu begründen und das sind beides keine Namen von HaSchem.

      • Daniel Schwierski says:

        Mein lieber Brünninghaus, danke für Ihre Darlegung, die keiner weiteren Kommentierung bedarf. Sie könnte bezeichnender nicht sein und wird hoffentlich von sehr vielen Menschen gelesen. Alles Gute, mein Freund.

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