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Gute Vorsätze: Coach erklärt, wie Männer Ziele erfolgreich umsetzen können

Sei es die gesunde Ernährung oder der Sport: Vorhaben landen oft auf der langen Bank. Dabei braucht es für Erfolg nicht viel, meint Coach Stefan Schmid.

„Die guten Vorsätze!“ – Erinnern Sie sich noch an Ihre Vorsätze, die Sie Anfang des Jahres gefasst haben? Bei mir war es über Jahre hinweg nur ein einziger und immer derselbe: „Ich möchte bis Ostern nicht geblitzt werden.“ Bei rund 60.000 km Fahrleistung pro Jahr war das jedes Mal ein sportliches Vorhaben.

Jahrelang schaffte ich es bis ca. Ende Februar, ohne geblitzt zu werden. Doch ich bekam es nicht gebacken, mein Vorhaben tatsächlich bis Ostern durchzuhalten. Im vergangenen Jahr erreichte ich mein Ziel dann aber doch. Das hatte aber weniger mit meinem disziplinierten Fahrstil als mit Corona und dem ersten Lockdown zu tun. Mein erstes Knöllchen flatterte erst Mitte Juli ins Haus. Wow!

Übrigens, kürzlich gab mir die beste und klügste aller Ehefrauen einen grandiosen Tipp. Wir waren gemeinsam unterwegs, als ich mal wieder zu schnell fuhr. Am Straßenrand entdeckte ich im letzten Augenblick einen Blitzer und bremste souverän ab. Etwas stolz und gleichzeitig erleichtert wandte ich mich ihr mit den Worten zu: „Das ist gerade noch mal gut gegangen!“ Worauf sie nur meinte: „Erspare dir doch den Stress und halte dich an die vorgegebene Geschwindigkeit.“ Wie recht sie doch hatte!

Übernimm Verantwortung!

Was nehmen Sie sich regelmäßig vor, bekommen es aber nicht gebacken? Eigentlich ist das mit dem Backen doch gar nicht so schwer. Wenn ich mal meine auf Pfannkuchen zum Mittagessen begrenzte Backkunst spielen lasse, dann orientiere ich mich an folgenden zwei Worten: „Man(n) nehme …!“ Für den Alltag würde ich diesen Hinweis gerne um einen weiteren Begriff ergänzen, nämlich: „Man(n) übernehme Verantwortung!“ Wie geht es Ihnen damit, Verantwortung für Ihr Verhalten zu übernehmen? Seit Monaten geht das Thema Resilienz durch die Decke. Es ist das Thema, mit dem ich entweder online oder auch nach und nach wieder bei Präsenzveranstaltungen am häufigsten im Einsatz bin. Eine der „sieben Schlüsselfaktoren der Resilienz“ besteht darin, die Opferrolle zu verlassen und Verantwortung zu übernehmen.

Wenn es am Straßenrand blitzt, kann ich nicht das Ordnungsamt dafür verantwortlich machen. Es liegt einzig und allein an meinem Fahrstil. Ich muss mich nicht darüber ärgern, dass irgendeiner mal wieder einen Blitzer aufgestellt hat, ohne mich vorher darüber zu informieren. Es muss mich nicht nerven, dass ich mal wieder 15 Euro zahlen muss, die ich mir hätte sparen können. So sind nun mal die Spielregeln! Und wer sich nicht daran hält, muss mit entsprechenden Konsequenzen rechnen. Die Verantwortung liegt dabei einzig und allein beim Fahrer. Wo ducken Sie sich gerne als armes Opfer weg? Wo schieben Sie die Schuld auf alle anderen, nehmen aber Ihre eigene Verantwortung nicht wahr?

Es sind nicht immer die anderen schuld

Klar, an vielem – wenn nicht sogar an allem – trug in den zurückliegenden Wochen und Monaten Corona die Schuld. Daran, dass wir Dinge nicht erledigen konnten, dass wir uns nicht mit Menschen treffen konnten, dass wir Projekte nicht zum Abschluss bringen konnten, dass die Internetverbindung im Home-Office oder Homeschooling mal wieder zusammenbrach, dass wir nicht reisen konnten, sondern zu Hause festsaßen, dass … Und wenn es nicht die Umstände waren, dann eben Menschen, die an unserer Situation schuld waren: die unverständige Ehefrau, die nörgelnden Kinder, der fordernde Chef, die lauten Nachbarn, die schwierigen Kollegen, die anstrengende Schwiegermutter, … Oder Frau Merkel und die Virologen. Und wenn es weder äußere Umstände noch Menschen sind, auf die wir die Verantwortung abwälzen können, dann muss unsere Prägung, Erziehung oder DNA herhalten. „Ich habe nie gelernt, Verantwortung zu übernehmen!“ „Das liegt an meiner Veranlagung!“ „Ich bin halt der gemütliche Typ Mensch!“ „Ich kann mich halt schlecht entscheiden!“ Wie wäre es damit, Ihr Mindset, Ihre Denkweise zu überdenken? Warum treiben Sie keinen Sport, obwohl Sie genau wissen, wie gut Ihnen das tun würde? Warum ernähren Sie sich weiterhin ungesund, obwohl Sie genau wissen, wie Sie Ihrem Körper damit schaden?

Einfach heute starten

Anfang des Jahres plante ich, mich dieses Jahr in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag mal wieder an der Aktion „7 Wochen Ohne“ zu beteiligen. Gerade wollte ich mich innerlich gemütlich zurücklehnen, als ich den Impuls hatte: Warte doch nicht bis Aschermittwoch, sondern fange jetzt damit an! Und so entschied ich mich am 4. Januar für meine persönliche „7 Wochen Ohne“-Aktion. Ich wollte sieben Wochen auf Zucker verzichten. Und so arbeitete ich an meinem Mindset und siehe da: Es war gar nicht so schwer! Ich brauchte den Aschermittwoch gar nicht als offiziellen Starttermin, sondern konnte selbst darüber entscheiden, dass das auch an jedem anderen Tag möglich war.

Zwischenzeitlich habe ich meine „7 Wochen ohne Zucker“-Aktion erfolgreich beendet. Und weil es richtig Spaß gemacht hat, bin ich gleich in die nächste Aktion gestartet. Täglich zehn Minuten Workout und das insgesamt 16 (!) Wochen lang. Nach erfolgreichen 3 ½ Wochen fängt es langsam an, zu einer täglichen Routine zu werden.

Was tun Sie Ihrem Körper gerade Gutes? Ich bin kein Workout-Freak, doch ich merke mit nun 52 Jahren, dass Fitness kein Selbstläufer mehr ist. Ich möchte an meinem Körper nicht nur keinen Raubbau betreiben, sondern ihm aktiv Gutes tun. Dazu gehören u.a. auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Oft reden gerade wir Männer uns ein, dafür keine Zeit zu haben, bis uns der Herzinfarkt dann die nötige Zeit beschert.

Ein Sparringspartner kann helfen

„Machen ist wie Wollen, nur krasser!“ Im Coaching begleite ich immer mehr Männer dabei, vom Wollen zum Tun zu gelangen.

Das kann so aussehen, dass mir eine Führungskraft täglich Bilder von ihrem Schreibtisch mailt. Sie leidet unter dem ständigen Chaos auf der Schreibtischoberfläche. Am liebsten würde sie morgens an einem aufgeräumten Schreibtisch in den neuen Arbeitstag starten. Und so haben wir eine Vereinbarung getroffen, die ihr hilft, Ordnung zu schaffen und Ordnung zu halten. Mit einem Sparringspartner an der Seite lässt sich neues Verhalten besser einüben.

Manchmal schlägt uns auch des „Teufels liebstes Möbelstück“ ein Schnippchen, nämlich die lange Bank. Laut einer Emnid-Umfrage sagen knapp 40 Prozent der Deutschen, dass ihnen durch Aufschieben bereits persönliche oder berufliche Nachteile entstanden sind. Aufschieberitis gehört demzufolge zu ihren schlechten Angewohnheiten. Die unangenehme Aufgabe wird so lange vertagt, bis diese wirklich dringend wird und somit inneren Stress hervorruft und massiven Druck erzeugt.

Aufschieberitis hat damit zu tun, Dinge perfekt erledigen zu wollen, mit schlechtem Zeitmanagement oder der eigenen Trägheit. Vielleicht haben aber auch gerade während Corona meine individuellen Zeitfresser wieder gnadenlos zugeschlagen. Es gibt nur einen einzigen Weg, um den „Aufschieberitis-Modus“ zu beenden, nämlich meine Trägheit zu überwinden und Verantwortung zu übernehmen.

Cheat Days einbauen

Übrigens: Meine „7 Wochen ohne Zucker“-Aktion wurde durch zwei oder drei Cheat Days („Schummeltage“) unterbrochen. Ich hielt es nicht konsequent durch. Doch es scheint mir, als würde genau das das echte Leben widerspiegeln. Wir sind nicht perfekt, nicht tadellos, sondern es schleicht sich immer wieder mal ein Cheat Day ein. Gerade dann gilt es, sich nicht hängenzulassen, sondern neu die Verantwortung zu übernehmen, denn morgen ist ein neuer Tag!

Stefan Schmid ist Resilienz-Coach und „Go For It“-Trainer. Er hat sich spezialisiert auf Stressmanagement und Burnout-Prävention (stefanschmid-coaching.de). Er ist verheiratet mit Cornelia und Vater von zwei erwachsenen Töchtern.