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Für ungehemmten Sex: Warum sich Sterilisation beim Mann lohnt

Heiko Kienbaum und seine Frau haben genug vom „Nachwuchsroulette“ und wollen wieder sorglos den Sex genießen. Die Lösung: Heiko lässt sich sterilisieren.

„Zum Goldenen Horn” – allein der Straßenname löst in mir noch heute einen Schmunzler aus. Das Wissen, dass dies die Adresse eines Urologen mit Spezialisierung auf „Vasektomie“, also Sterilisation des Mannes, ist, gibt dem Straßennamen nochmal eine süffisante Note, wie ich finde. In wenigen Minuten betrete ich die urologische Praxis im Süden von Berlin. Überall an den Wänden hängen humoristische Illustrationen zu den Themen „Mannsein” und gelebte Männlichkeit. Bei den Zeitungen finden sich „Men’s Health-Gesundheitsmagazine”, Barbecue-Grill-Magazine mit wirklich fleischigen Gourmettipps, Outdoor- und Karrierehefte komplettieren das Literaturangebot. Hier weiß wohl jemand, was wahre Männer lesen.

Bin ich jetzt noch ganz Mann?

Normalerweise ist das alles nicht ungewöhnlich, aber für mich in diesem Moment schon. Es fühlt sich für mich an, als würde mir nochmal so kurz, bevor es losgeht, das „echte” Mannsein präsentiert, bevor dann „Dr. Schnipp Schnapp” sein Skalpell an meinen Sack anlegt und das alte Leben abschneidet bzw. durchtrennt. Mir wird mulmig zumute. So ein Quatsch, antwortet mein „Verstand” in Richtung meines „Gefühls” und konstatiert übertrieben selbstbewusst: „Das Durchschneiden zweier Samenleiter ändert nichts, aber rein gar nichts an meiner Männlichkeit.” Das Gefühl flüstert und fragt zurück: „Und was, wenn doch? Dann ist’s zu spät, einmal schnipp und die Nummer ist durch. Danach isst du nur noch vegan und trinkst den ganzen Tag Decaf Latte Macchiato mit Hafermilch. Das, was dich als Mann ausmacht, deine ‚Identität‘, deine ‚Fruchtbarkeit‘ ist erledigt. Willst du das wirklich?”

Während ich noch in dem Gedanken verharre, springt die Tür vom Wartezimmer auf und ein dynamischer End-50er-Herr im weißen Kittel kommt mir entgegen. „Herr Kienbaum”, tönt er, „schön, dass Sie da sind. Na dann wollen wir mal, bevor man sich dit anders überlegt, wa?” Äh, stimmt. „Ich komme”, antworte ich etwas zurückhaltender.

Die Überlegungen zur Vasektomie gab es wirklich nicht erst seit gestern. Immer wieder gab es zwischen mir und meiner Frau die Frage, wie das Thema Familienplanung nach der Geburt unserer drei Kids so ganz praktisch für uns in Zukunft aussehen sollte. Ich erinnere mich noch gut, wie oft dieses Thema für uns und unsere Freunde eine Art „Running Gag” war, wenn wir uns trafen und wieder mal miteinander folgenden Satz teilten: „Hui, diesmal, also, könnte es aber wieder knapp gewesen sein …“ „Ah echt, bei euch auch?“ „Schließt doch mal ein Schwangerschaftstest-Abo ab.“ Danke für den Tipp, Freunde.

Sex ohne Hormone und Kondome

Irgendwann nervte das Thema „Was ist, wenn nochmal (ungeplanter) Nachwuchs kommt?” so sehr, dass eine Entscheidung hermusste. Die Fragen, die uns beschäftigten, waren vielschichtig: War unsere Nachwuchsplanung abgeschlossen oder wollten wir nicht doch nochmal den Zauber eines neugeborenen Kindes erleben? Unsere Tochter wünschte sich doch auch noch eine jüngere Schwester … Und was ist eigentlich mit der Glaubensebene? Etwas evangelikal geprägt war das durchaus eine Frage, ob man(n) sozusagen so drastisch in das Thema „Fruchtbarkeit“ eingreifen darf?! Stück für Stück merkten wir, dass wir als Familie und als Paar mit unseren Lebensplänen nicht mehr in Richtung Familienvergrößerung dachten, und so entschieden wir dankbar, dass wir unseren Lebensfokus auf andere Dinge als eine nochmalige Kleinkindphase legen wollten. Und ja, natürlich war auch Sex ein Thema. Wir spürten auch, wie uns die Unklarheit in dieser Entscheidung in diesem Bereich hemmte. Noch ein Grund zu handeln. Denn die hormonelle Behandlung bei der Frau schied aus. Kondom? Diese Entscheidung haben wir dann schon beim nächsten Mal bereut.

Die innerliche und dann auch physische Checkliste für mich und für uns wurde immer klarer:

Auf Sex ab Ende 30 verzichten: Nein.

Warten mit dem Sex, bis meine Frau in der Menopause ist (puh, könnte lang werden, sie war damals 36): Nein.

Frau soll Hormone schlucken, sich diese unter die Haut ballern oder Gerätschaften in die Gebärmutter einsetzen lassen (irgendwie wollte ich das auch nicht – und sie auch nicht, also): Nein.

Frau sterilisieren lassen – denkbar, aber nicht unaufwendig: Nein.

Mann sterilisieren lassen – viel einfacher, warum nicht?: Ja!

Gamechanger im Freundeskreis

Echt jetzt, als Mann sterilisieren lassen? Wer macht denn sowas? Ich weitete meinen Blick. Kenne ich jemanden, der das gemacht hat? Kenne ich jemanden, den das auch betreffen könnte? Der Gedanke war für mich ein Gamechanger in dem Spiel „Nachwuchsroulette”. Ich fragte rum in unserem Freundeskreis und siehe da, die Mehrheit in unserem Umfeld in der Lebensphase zwischen Mitte 30 bis Anfang 40 inklusive ein bis vier Kinder beschäftigen sich genau mit diesem Thema! Es war auf einmal gar kein Tabuthema mehr. Von daher: Redet mit euren Freunden über dieses Thema. Unsere Gespräche waren so unfassbar erfrischend. Was haben wir über die gleichen „Herausforderungen” miteinander gelacht!

„Ich kann’s auch mit verbundenen Augen, soll ich? Herr Kienbaum?” „Dr. Pullermann” steht vor mir mit einer kleinen Betäubungskanone, wenige Zentimeter von meinem Gemächt entfernt. „Machen Sie sich keine Sorgen”, so der Dr. weiter, „ich habe das über 10.000 mal durchgeführt, ich kann so einen Samenleiter zwei Meter entfernt, mit verbundenen Augen und leicht angetütert sauber durchtrennen.” Ich wollte immer wissen, wo meine persönliche Humorgrenze angesetzt ist – hier war sie erreicht und ich antwortete recht zurückhaltend, dass es mir lieber wäre, er würde auf Nummer sicher gehen. Keine 30 Minuten später war der Spuk vorbei und ich stand mit hochgezogener und geschlossener Hose, etwas wackelig und breitbeinig wieder auf der Straße und machte mich auf den Weg zu meinem Auto. Als Abschiedsgruß des Dr. hatte ich noch im Ohr: „Herr Kienbaum, uffm Rückweg holen sich zwee schöne kalte Flaschen Pils, eine für in den Körper und eine für an den Körper, und schonen Sie sich ein paar Tage. Und vergessen Sie nicht nach 30 Ejakulationen zur Nachkontrolle ’ne Probe abzugeben. Erst dann kriegen Sie ’ne Freigabe von mir. Melden Sie sich, wenn was ist, hier ist meine Nummer.”

Den restlichen Tag verbrachte ich mit Kühlpacks auf der Hängematte am Balkon mit Blick auf die Spitze des Berliner Fernsehturms. Apropos Spitze, richtig spitze und so richtig männlich war das Gefühl danach: Nämlich das Thema „Familienplanung” in Abstimmung mit meiner Frau total konstruktiv und in Eigenverantwortung übernommen und einen Weg gewählt zu haben, der für alle Beteiligten passt und sinnvoll erscheint. Danke an dieser Stelle an meinen Special Doc aus Berlin. Er ist ein Meister seines Fachs und der etwas derbe Berliner Humor hat mir sehr gutgetan. Ich gehöre zur Gattung Mann, die schon bei kleinsten Schmerzen heult und jammert (siehe Männergrippe und Zahnarzt), aber das Kopfkino vor dem Eingriff war um ein Vielfaches schlimmer als in der Realität.

Nicht schlimmer als die Männergrippe

Da wir jetzt schon (fast) Fachleute von „Samenleiterdurchtrennungen” sind: Meine gewählte Methode war die sogenannte „Non Skalpell Methode”. Vergnügungssteuerpflichtig ist die ganze Sache natürlich nicht. Mit ein paar Tagen ziehendem Schmerz in der Leistengegend und Druckempfindlichkeit der Hoden müsst ihr rechnen. Aber wer schon mal ’ne Männergrippe überstanden hat, wird hieran nicht verzweifeln. Versprochen! Mein Tipp an jeden Mann: Zieht diese Form der Verhütung ernsthaft in Betracht, lasst euch darauf ein, einmal komplett vorbehaltlos von Gesellschafts-, Gender- oder religiösen Rollenbildern darüber nachzudenken, und – ganz wichtig! – sucht euch einen Arzt und eine Durchführungsmethode, die zu euch passen. Und wenn Kopf und Herz dann zusammen unterwegs sind, dann zieht es durch, am besten gemeinsam im Freundeskreis, und danach: Feiert das Leben und genießt diese neue Art der Sexualität. Es lohnt sich! Und es hat meiner männlichen Identität keinen Abbruch getan.

Heiko Kienbaum ist Autor von „Was Paare glücklich macht”. Zusammen leiten er und seine Frau das C-STAB Werte-Netzwerk für christliche Therapeut:innen, Berater:innen und Seelsorger:innen und Coaches. c-stab.net

Weiterführende Quellen:

  • quarks.de/gesundheit/medizin/das-solltest-ueber-eine-vasektomie-wissen/
  • vasektomie-experten.de
  • vasektomie-experten.ch
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Bordell Deutschland: 90 Prozent aller Prostituierten verkaufen sich unter Zwang

Deutschland hat sich zur Drehscheibe des Menschenhandels entwickelt. Das Nordische Modell, ein Sexkaufverbot, soll dem Einhalt gebieten.

Von Uwe Heimowski

Seit 2001 ist Prostitution in Deutschland eine legale Dienstleistung. Davor galt sie als sittenwidrig und war eine Straftat. Bestraft wurden die (meist weiblichen) Prostituierten – ihre Kunden, die „Sexkäufer“, blieben unbehelligt. Um die Frauen aus der Kriminalisierung zu holen und ihnen die Chance zu geben, sich bei den Sozialversicherungen anzumelden, beschloss der Bundestag – damals mit rot-grüner Mehrheit – das Prostitutionsgesetz („Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten“).

Die entwürdigende Situation vieler Frauen, die in der Prostitution arbeiten, habe ich einige Jahre hautnah miterlebt. Von 1990 bis 1995 arbeitete ich bei der Heilsarmee in Hamburg, drei Jahre davon leitete ich eine AIDS-Beratungsstelle. Viele infizierte Frauen waren Prostituierte – ohne Krankenversicherung, ohne funktionierendes soziales Umfeld. Die Verelendung dieser Frauen kann man sich kaum vorstellen. Um dieser Frauen willen war ich ein leidenschaftlicher Befürworter des Prostitutionsgesetzes.

Deutschland wird zum „Bordell“

Doch schon bald zeigte sich: Das Gesetz half den Frauen nicht. Nur eine Handvoll meldete ein Gewerbe an. Und was weder der Gesetzgeber noch die Befürworter des Gesetzes geahnt hatten: Deutschland entwickelte sich unter dem Deckmantel der Legalität zur Drehscheibe des Menschenhandels.

Das Magazin „Der Spiegel“ titelte schon 2013: „Bordell Deutschland. Wie der Staat Frauenhandel und Prostitution fördert.“ Schonungslos wurden die Missstände in unserem Land aufgedeckt. Experten gehen davon aus, dass zwischen 80 und 90 Prozent der geschätzt 400.000 Prostituierten in Deutschland Opfer von Menschenhandel oder Zwang sind. Seither befinden wir uns in einem Dilemma: Frauen sollen geschützt werden, doch erreicht die liberale Gesetzgebung genau das Gegenteil.

Sexkaufverbot hilft

Wie kann man dieses Dilemma auflösen? In Schweden erlebte die Debatte bereits 1999 einen Paradigmenwechsel. Das schwedische Parlament – damals als erstes Parlament der Geschichte mehrheitlich mit Frauen besetzt – beschloss ein Sexkaufverbot, bei dem nicht mehr die Frau, sondern der Sexkäufer bestraft wurde.

Die Opfer wurden also anders als beim herkömmlichen Prostitutionsverbot nicht länger zusätzlich kriminalisiert und machten, weil sie keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten hatten, entsprechend auch stärkeren Gebrauch von Hilfsangeboten. Dazu zählten Ausstiegsprogramme zur beruflichen wie seelischen Rehabilitation. Medizinisches Personal, die Behörden und insbesondere die Polizei wurden zahlenmäßig aufgestockt und regelmäßig geschult, besonders im Umgang mit traumatisierten Frauen. Zuhälterei und organisierte Kriminalität im Zusammenhang mit Menschenhandel wurden stärker verfolgt und härter bestraft.

EU empfiehlt „Nordisches Modell“

Das als „Schwedisches Modell“ bekannt gewordene und später – nach Einführung des Gesetzes in Norwegen (2008) und Island (2009) – als „Nordisches Modell“ oder auch „Equality Model“ (Gleichstellungs-Modell) bezeichnete Gesetz entfachte innerhalb der Europäischen Union eine breite, sehr leidenschaftlich geführte Debatte. 2014 verabschiedete das Europäische Parlament mit dem „Honeyball Report“ eine Entschließung, in der es den Mitgliedsstaaten die Einführung des „Nordischen Modells“ empfahl.

Die Entschließung erkennt Prostitution, Zwangsprostitution und sexuelle Ausbeutung als stark geschlechtsspezifisch und als Verstöße gegen die Menschenwürde an und erkennt einen Widerspruch gegen Menschenrechtsprinzipien wie beispielsweise die Gleichstellung der Geschlechter. Sie sei daher mit den Grundsätzen der Charta der Grundrechte der Europäischen Union unvereinbar. Nach dem Nicht-EU-Land Kanada (2014) führten auch Nordirland (2015), Frankreich (2016) und Irland (2017) ein den Sexkauf bestrafendes Gesetz ein. Israel wurde 2020 zum achten Land weltweit.

„Nordisches Modell“ bietet doppeltes Plus

Gegner des „Nordischen Modells“ kritisieren die Einschränkung der Berufsfreiheit und somit der Selbstbestimmung der freiwilligen „Sexarbeiterinnen“. Sie befürchten eine Verschiebung der Prostitution in den Untergrund und einen Anstieg der Gewalt. Evaluationen in Schweden konnten das nicht bestätigen, im Gegenteil: Die Zahl der Gewalttaten ist gesunken.

Befürworter sehen im „Nordischen Modell“ jedoch ein doppeltes Plus: Es setzt unmittelbar an der Situation der Frauen an und hilft ihnen beim Ausstieg, ohne sie zu kriminalisieren. Und außerdem: Das „Nordische Modell“ verändert mittel- und langfristig die gesellschaftliche Einstellung zur Prostitution und zum Umgang mit Frauen.

In Deutschland halte ich das „Nordische Modell“ für überfällig. 2016 wurde – auf Druck der EU – ein Prostituiertenschutzgesetz beschlossen, doch die Maßnahmen (Gesundheitscheck, Verbot, am Arbeitsplatz zu wohnen, Präservativpflicht u.a.m.) sind viel zu kleinteilig oder nicht überprüfbar. Den Frauen helfen sie nicht.

Uwe Heimowski (57) vertritt die Deutsche Evangelische Allianz als deren Beauftragter beim Deutschen Bundestag in Berlin. Er ist verheiratet mit Christine und Vater von fünf Kindern. Von ihm erhältlich: „Der politische Jesus“ (VTR) und „Das Nordische Modell: Eine Möglichkeit für Deutschland?“ (Edition Wortschatz).

SEX im Gottesdienst

Das Tabu-Spiel am Sonntagmorgen

Als Mose vom Berg kommt, sagt er: „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Ich hab ihn auf zehn runtergehandelt. Die schlechte: Ehebruch ist immer noch dabei!“ Sex im Gottesdienst: eine bizarre Landschaft aus massenhaft aufgestellten Fettnäpfchen, herumliegenden heißen Eisen, ganz viel dünnem Eis, am Rande eines Abgrundes! Man hört so selten mal was drüber. Aber bitte nicht mit unfreiwilligen Wortspielen. So wie z. B. in dem Gottesdienstprogramm, in dem ganz am Anfang steht: „Vorspiel von der Bläsergruppe.“ Wahrscheinlich verstehen manche der besonders Frommen nicht, was daran komisch sein soll, aber die Teens und die Jungs vom Stammtisch (sollten sie sich mal in einen unserer Gottesdienste verirren) werden was zu grinsen haben.

GEWÜNSCHT: DAS THEMA NICHT RTL ÜBERLASSEN
Weshalb ist Sexualität unter den drei großen Tabus der Gemeinden neben Geld und Glaubenszweifeln die peinlichste und die mit den meisten Ängsten besetzte Thematik? Warum überlassen wir dieses Thema eigentlich RTL und dem Internet und können selber bestenfalls nur in Schlagworten und mit Angstschweiß auf der Stirn moralisieren? Warum stochern wir eigentlich so im Unklaren und tun so, als wären auch wir in der Schmuddelecke gefangen? Wie wäre es, für die menschliche (und von Gott ausgedachte) Sexualität zu werben, ohne irgendwelche Hochglanzbilder-Klischees? Wie wäre es, wenn wir mal relevant, ehrlich und mit klaren Worten über Lust, Selbstbefriedigung, Ehebruch, Verführung, Libido, Zärtlichkeit, Treue und Enthaltsamkeit reden würden? Und nicht nur über Homosexualität, und dass zu einer Ehe auch die Bereitschaft zum Kinderkriegen gehört? Wenn in der Bibel in alten Übersetzungen steht: „Und er erkannte sein Weib“, dann meinen manche immer noch, dass der Mann dann „Ach du bist’s, Wilhemine“ sagte. In der Bibel steht erstaunlich viel über Sexualität. Da lesen wir von Huren, von Ehebruch, ein ganzes Buch der Bibel beschreibt Brüste und andere Körperteile. Wir deuten das im übertragenen Sinne und warnen vor Verirrungen. Schade eigentlich!

GESUCHT: EHRLICHE EINBLICKE
Ein Freund von mir predigte einst in einer jungen dynamischen Gemeinde über den Beistand, den Heiligen Geist, als Vorsteher, Leiter und Prostata. Hä? Ist Griechisch und bedeutet: Vorsteher bzw. Vordermann. Ein stummer Aufschrei und hinterher durchaus berede Kritik waren das Ergebnis. Gehört so etwas in die Predigt, auch noch so unverhofft, quasi ohne Vorwarnung? Ich meine: Ja! Folgende Gliederung wäre ein schöner Anfang einer ganzen Predigtreihe: Sex: Warum auch nicht?; Sex: Mehr als nacktes Fleisch?; Sex: Größer, weiter, länger? Und nein, dazu brauchen wir keine Plakate mit leicht bekleideten Mädels zum Einladen der Bevölkerung. Und auch keinen Chor der männlichen Singles oben ohne, der das erste Lied vorträgt „Noch haben wir sie nicht gesehen, noch warten wir darauf …“. Sondern Menschen, die ehrliche Einblicke geben. Das darf durchaus provokant sein – aber sollte auf jeden Fall verantwortlich, kreativ, achtsam und bestenfalls mit Humor geschehen. Und bei allem bleibt Sexualität auch persönlich, geheimnisvoll, lustvoll und wild. Spannend eben.

Meiner Meinung nach gibt es überhaupt nur eine Berechtigung, über Sex zu predigen und es zum Thema in unseren Gottesdiensten zu machen: Es ist Gottes Idee, und er hat jeden Menschen als sexuelles Wesen geschaffen und es nicht nur denen in der Hochzeitsnacht verliehen, die in formal richtigem Familienstand leben. Also mag vielleicht für viele der Höhepunkt im Höhepunkt liegen, doch gibt es doch viele andere Themen, die da mitschwingen: Lust am Körper, am Anspannung-Entspannungs- Phänomen, Freude an Schönheit, Romantik, Wildheit, Augenblickverzückung, Gemeinschaft, Berührung und vor allem Humor und Kreativität. Das wollen wir gerne hören, unabhängig vom Alter, Geschlecht und Status. Ja, es ist nicht leicht, auf den Punkt zu kommen, für jede Lage und Stellung. Und mit diesem Geschenk verantwortungsvoll umzugehen, genau wie mit all den anderen Gaben wie Geld, Kinder und Wissen. Aber es gehört zu den zentralen Themen des Menschseins.

GEBRAUCHT: MUTIGE PREDIGER UND ZUHÖRER
Nur Mut – ihr Prediger und ihr Zuhörer. Es wäre auf jeden Fall realistischer und hilfreicher als die „Informationsprogramme“ spätnachts. Und dann gönnen wir uns doch gleich auch noch Gesprächskreise, in denen ethische Themen anspruchsvoll vorbereitet und mal ungeschützt diskutiert werden. Die jahrzehntelange Ansage „Kein Sex vor der Ehe, sonst droht Schwangerschaft“ wurde leider niemandem richtig gerecht und war auch keine große Hilfe.

Stefan Bitzer (www.stefanbitzer.de) aus Reutlingen war zehn Jahre lang Pastor. Heute arbeitet er als Vorsorge- und Trauerberater. Zudem ist er Hochzeitsredner (www.rent-a-pastor.com) sowie Mentor und Coach.

Was sind Ihre Gemeinde- oder gar Gottesdiensterfahrungen mit diesem Thema? Haben Sie gute und gelingende Beispiele vor Augen? Erzählen Sie es uns hier auf www.MOVO.net oder per Mail an info@MOVO.net
Wie Sex richtig gut wird

Er will, sie nicht. Ein Mann über seinen Ausweg aus dem Frust im Bett.

Männer sprechen wenig über Sex, besonders über das eigene Erleben. Frauen werden gerne angeguckt, Kommentare rutschen uns leicht über die Lippen, doch dabei bleiben die eigenen Gefühle und das eigene Erleben von Sexualität im Hintergrund. Als meine Frau ein Wochenende mit anderen Frauen unterwegs war, sprachen sie sehr offen über Sex. Als wir Ehemänner dann ein Wochenende für uns hatten, redeten wir auch über Vieles, nur nicht über unser persönliches Sexleben. Dabei erleben wir Männer Sex doch ganz anders als Frauen. Unsere Gedanken kreisen tagtäglich um dieses eine Thema. Wir haben viele Wünsche und Vorstellungen, kassieren Enttäuschungen und erleben manchen Frust.

UNTERSCHIEDLICHE BEDÜRFNISSE PRALLEN AUFEINANDER

Meine Frau und ich haben mit dem gemeinsamen Sex lange Zeit viele Probleme gehabt. Während ich schon als Jugendlicher sexuell aktiv war und über Selbstbefriedigung einiges erlebt habe, war meine Frau vor der Ehe sexuell inaktiv. Mir war es unverständlich, war sie doch sehr schön. Warum kannte sie ihre eigene Gefühlswelt nicht? Warum hatte sie kein Bedürfnis nach Befriedigung? Auch wenn uns ein erfahrenes Paar vor zu hohen Erwartungen an die ersten gemeinsamen Sexerlebnisse als Ehepaar gewarnt hatte: Es war für uns beide ein tiefes Tal aus Frust und Enttäuschung.

Den vollständigen Artikel finden Sie in der MOVO 1/2014. Jetzt bestellen.