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Church goes Pub

Eine Kirche in der Kneipe

Gott spricht durch unser Leben. »Church goes Pub« (CgP) sucht diese Lebensgeschichten und lässt andere daran teilhaben. Mitten im Leben, mitten unter Menschen.

„Church goes Pub ist für Menschen, denen Sonntagmorgen zu früh, Kirchenbänke zu hart und Predigten zu theoretisch sind.“ Zugegeben, unser Slogan ist provokativ! Die Ironie dahinter: Unsere Veranstaltungskneipe ist bestückt mit alten Holzbänken, die jeder kerzengeraden und harten Kirchenbank locker das Wasser reichen können. Die Kneipe ist trotzdem regelmäßig bis auf den letzten Platz gefüllt.

Sonntagabend, 18 Uhr. Der Raum füllt sich mit Menschen. Auf den Tischen brennen Kerzen, aufgesteckt auf Bierflaschen. Daneben je ein aus Pappe gebasteltes Kirchenschiff.  Zusammen bilden sie das Logo von „CgP“ – eine Bierflasche als Kirchturm mit Kreuz. Noch sieht es aus wie ein ganz normaler Bistroabend in der „Galerie“, einer gemütlichen Kneipe in Roten-burg an der Fulda. Die Gäste trinken ein Bier, bestellen ihr Essen, reden, lachen, begrüßen sich. Viele haben ihre Freunde mitgebracht. Die Sitzplätze an den Tischen sind längst belegt. Manche stehen entlang der Wand oder sitzen auf Barhockern am Tresen. Ein „Männerproblem“ haben wir nicht. An was das wohl liegt?  Kann man doch ganz unbefangen am Tresen sitzen und sein Bierchen trinken, muss nicht singen, beten, aufstehen oder sonst etwas machen – einfach da sein, ohne, dass jemand etwas von einem will. Wie geschaffen für Männer, die Fragen über Gott haben.

Dieser Abend ist eine Möglichkeit, Menschen mit Gott in Kontakt zu bringen, Erfahrungen mit dem Glauben an Jesus Christus zu teilen. Ganz ungezwungen entwickelt sich ein Gespräch beim Abendessen in der Kneipe mit Fremden und Freunden. Genau das geschieht an jedem „CgP“-Abend ab 20 Uhr, wenn jemand aus seinem Leben erzählt. Keine theoretische Predigt, sondern Menschen, die ihre Geschichte mit Gott erzählen. Ein ehemaliger hochrangiger Berufssoldat, zweifacher Witwer, begegnete Gott durch seine zweite Frau. Ein Geschäftsmann, der an einem Burnout fast zerbrach und sein Leben neu ordnete. Ein Pastor, der in tiefe Depressionen fiel und seine ganz persönlichen Fragen an Gott hat, zweifelt, angefochten ist. Eine Mutter, die ihren Mann mit Mitte dreißig durch eine Krebserkrankung verlor und mit den kleinen Kindern alleine zurückblieb. Geschichten, die das Leben schreibt. Immer mit den Fragen: Wo und wie habe ich Gott in meinem Leben erfahren? Was hat der Glaube an einen lebendigen Gott mit meinem Alltag, mit meinen Krisen, Herausforderungen und auch den schönen Momenten meines Lebens zu tun?

Ich staune beim Zuhören immer wieder über Gottes Realität und seine persönliche Geschichte mit jedem Menschen – oft von Krisen geprägt. Aber er ist treu! Hier finden Lebensgeschichten aus der Wirklichkeit der Zuhörer ihren Platz, keine Glaubenshelden und Berühmtheiten. Wir erleben, dass Menschen Fragen an das Leben und Gott haben, auf der Suche nach Sinn und Halt sind. In den Lebensgeschichten finden sie Antworten. Als „CgP“-Team sind wir erstaunt über die unterschiedlichen Menschen, die an diesen Abenden in die Kneipe kommen: 60 bis 80 Personen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren. Viel mehr Platz bietet diese Kneipe nicht. Diese kuschelige Enge ist die von den Gästen geliebte, besondere Atmo-sphäre, die Gemeinschaft vermittelt. Natürlich kommen Christen – auch aus anderen Gemeinden. Viel spannender ist: Es kommen viele Christen, die von christlichen Gemeinden enttäuscht wurden, verletzt oder sogar rausgeflogen sind. Sie genügten nicht den moralischen Ansprüchen – eine Ehe scheiterte oder Lebensschicksale passten nicht in das fromme Weltbild. In der Gemeinde fanden sie keinen Halt, sondern aufgerichtete Schranken. Menschen, die scheiterten, aber dennoch glauben wollen. Sie suchen die Begegnung mit vorbehaltlosen Christen. Genauso kommen Menschen, die mit Gott und Gemeinde wenig bis gar nichts am Hut haben, aber auf der Suche nach Gott sind.Nach der Lebensgeschichte gibt es noch zwei weitere Lieder unserer Band und eine offene Fragerunde an den Redner. Mindestens dreieinhalb Stunden waren Menschen zu Gast in der Kneipe und konnten dabei Gott begegnen. Oft entstehen noch lange, tiefgründige Gespräche an den Tischen, über Gott und das Leben.

„CgP“ ist ursprünglich eine Idee junger Christen aus Magdeburg. Wir haben uns gefragt: „Kann das, was in einer Studentenstadt funktioniert, auch in einer nordhessischen Kleinstadt gelingen?“ Es war für uns ein Vertrauensschritt, dieses Projekt in Rotenburg zu beginnen. Gott hat dafür den richtigen Moment geschenkt, die Türen geöffnet, und es hat sich schnell ein motiviertes, leidenschaftliches und buntes Team von Christen gebildet, die sich bis heute in dieses Projekt investieren. Die Menschen heute sind offen und auf der Suche, haben ihre Fragen an Gott. Mit „CgP“ gehen wir zu den Menschen an einen Ort, an dem sie sich auch sonst treffen, der ihnen vertraut ist. Jesus hat gesagt: „Kommt her zu mir!“ Aber zu den Jüngern hat er gesagt: „Gehet hin!“ Das tun wir mit „Church goes Pub“.

Thomas Sackmann (41) ist verheiratet und Vater von drei Söhnen. Als Prediger in der Evangelischen Chrischona Gemeinde Braach ist er Mitbegründer von „Church goes Pub“ in Rotenburg an der Fulda. Nebenher arbeitet er als Coach und Seelsorger.

Weitere Informationen finden Sie unter www.churchgoespub.de, auf facebook und auf der DVD „Kirche erfrischend vielfältig, Volume 2“ (www.scm-haenssler.de).